Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach und verfolgt mich schon sehr lang. Wenn zwei Menschen, die in einer Beziehung zueinander stehen, gemeinsam ein Bild gestalten, dann muss doch in diesem Gestaltungsprozess so Einiges an die Oberfläche kommen, was für diese Beziehung typisch ist. Eingefahrene Verhaltensmuster werden erkennbar. Im Bildmotiv werden Ansatzpunkte deutlich, die in weiterführenden Gesprächen geklärt werden können. Am Bild wird Vieles offensichtlich, was im reinen Gespräch vielleicht missverständlich ausgedrückt oder auch nicht ausgesprochen wird.
Natürlich ist es kein einfaches Allheilmittel. Aber ich bin mir sehr sicher, dass das gemeinsame Malen ein hervorragender Einstieg in die Arbeit an einer Beziehung sein kann.
- Es ist schon alles vorbereitet

Diese Pflege der Beziehung erfolgt im Idealfall schon dann, wenn das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen ist. Im idealsten Fall ist sie kontinuierlich, beide Beteiligten leisten immer ihren Anteil, um in Kontakt zu bleiben. In der Praxis wird das wohl in den seltensten Fällen so sein.
Doch gerade wenn sich Routine einschleicht und eigentlich ja alles ganz gut läuft, ist Achtsamkeit geboten. Irgendwann kommt der Punkt, an dem – häufig bei einem Beteiligten zuerst – Vorzeichen der Unzufriedenheit aufkommen. Die sind oft gar nicht konkret benennbar sondern eher ein diffuses Gefühl und werden gern auf Nebenkriegsschauplätzen ausgetragen, beispielsweise in Diskussionen um nicht zugeschraubte Zahnpastatuben oder liegengelassene Socken. Wenn sich solche Vorfälle anfangen zu häufen, wird es Zeit für ein klärendes Bild und/oder klärende Worte.
Um das Potential, das ein Bild hier bietet, besser einschätzen zu können, haben mein Mann und ich einen Selbstversuch gestartet, auch wenn wir in gutem und lebendigem Kontakt miteinander stehen – das Gute kann ja auch immer noch besser werden.
Ausführlich darüber berichtet habe ich hier.
Und um auf die Ausgangsfrage zurückzukehren – ein Bild allein ersetzt sicher nicht den Gang zum Scheidungsanwalt. Aber Bilder gemeinsam gestalten als ein Baustein, ergänzt mit Gesprächen, kann auf jeden Fall helfen, auch größere Krisen zu überwinden. Und wenn es zu zweit nicht geht, dann vielleicht mit fachlicher Unterstützung.
Daneben gibt es ja auch Beziehungen, die sich nicht so leicht auflösen lassen wie eine Ehe, zum Beispiel die Beziehung zwischen Geschwistern. Auch in solchen Fällen kann die Arbeit am gemeinsamen Bild helfen zu einer tragfähigen Basis zu finden.
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