Herzlich Willkommen auf meiner Homepage!
Ich bin Sabine Feickert und helfe als Bilderhebamme auch Deinen inneren Bildern auf's Papier.
Sabine Feickert

Das Ideenreich – mit Kindern kreativ sein

Nachdem ich mir so meine Gedanken über den Verlust von Phantasie und Kreativität gemacht habe, möchte ich hier ein nettes Buch vorstellen:

Sabine Bohlmann: Ideenreich – mit Kindern kreativ sein

Die Schauspielerin und Autorin Sabine Bohlmann lädt ein zu einer Reise ins Ideenreich:

Von Pappenheim über Kunsthausen, durch Holzhausen und Geröllingen führt der Weg an Müllhalden vorbei bis nach Stofflingen. Es ist keine schnelle Reise, sondern ein gemütlicher, genussvoller Weg mit langen, kreativen Pausen an den einzelnen Stationen.

In Pappenheim werden Autos und Züge aus großen Pappkartons gebaut, ein Windelkarton verwandelt sich in ein Parkdeck für das Kinderzimmer. Kaufladen, Bauchladen, Bänke und Sammelsurium-Regale, Murmelbahn und sogar Barbies rosa Himmelbett entstehen.

In Kunsthausen wird gemalt, gezeichnet, gedruckt nach Herzenslust und – zu meiner großen Freude – mit gutem, hochwertigem Material. Riesenbilder und Daumenkinos, Lesezeichen und Skulpturen werden kreiert.

Holzhausen steht im Zeichen alter Bretter, die sich in allerlei Nützlichkeiten und Schönheiten mit praktischer Funktion verwandeln und als Garderoben, Schlüsselbretter und Tafel zu neuem Leben erwachen.

Auch die allseits geliebten Steine erfahren hier eine weitergehende Verwendung als Puzzle oder Adventskalender. Auf den Müllhalden werden alte Stühle mal ganz anders renoviert und unendlich viele Verwendungszwecke für Tapetenbücher vorgestellt.

Taschen, Turnbeutel und verschiedene Bücher sind nur eine kleine Auswahl der Sehenswürdigkeiten, die Stoffhausen bietet.

Allen Reisezielen gemein ist, dass die Wegbeschreibungen recht grob gehalten sind, wer genaueste Angaben für die Computernavigation braucht, wird damit wahrscheinlich nicht so recht glücklich werden und sollte vielleicht lieber auf die herkömmlichen Bastelbücher mit Schnittmusterbogen und Bezugsquellenangaben zurückgreifen.

Wer sich jedoch gern mit einer groben Karte auf den Weg macht und mit Eigeninitiative und offenen Augen durch die Landschaft streift, dabei auch bereit ist, vom Weg abzukommen, weil ein lohnenswertes Ziel lockt, das gar nicht im Reiseführer drinsteht, der wird diese Buch lieben. Als eine Inspirationsquelle für die eigene Reise durch das ganz eigene Ideenreich.

Diesen “Reiseführer” bei Amazon bestellen:Ideenreich: Mit Kindern kreativ sein

Ein Sohn macht sich Gedanken über seinen alternden Vater

Verkehrte Welt

So in etwa könnte man das Thema dieses Buches beschreiben.

Wobei – so wirklich alt ist der Vater Jakob des Ich-Erzählers in Björn Kerns Buch “Das erotische Talent meines Vaters” mit Ende sechzig eigentlich noch gar nicht.

Doch in den Augen seines Filius verhält er sich ausgesprochen merkwürdig, rätselhaft und sonderbar. Nach der Trennung von seiner künstlerisch ambitionierten Frau Iris vor zwei Jahren lebt der Vater allein in der Designervilla am Bodensee, hält dort das von ihr verhängte Putzverbot strikt ein und zelebriert seine neue Freiheit.

Besucht, oder auch bedrängt wird er dabei von zwei Frauen – Alma, die Geld dafür erhält, dass sie nichts tut und die aufdringliche alte Freundin der Familie Karen. Jakob fühlt sich von der Damenwelt verfolgt und versucht – erfolglos – diese auszusperren. Immer wieder gesellt sich auch der Dottore Saporito, genannt Dotto, dazu und bekocht die Anwesenden mit “kleinen Schweinereien” und anderen kulinarischen Genüssen.

Die abendlichen Kochorgien mit reichlich Öl verführen den eher biederen und bürgerlichen Sohn zur nächtlichen Missachtung des Putzverbotes und zu allerlei Überlegungen über das Leben seines unkonventionellen Vaters.

Amüsant und augenzwinkernd schildert Kern, wie sich das Verhältnis von Fürsorge und Verantwortung umkehrt und der Sohn sich um seinen unkonventionellen Vater sorgt. Er zielt auf die 68er Generation, die sich auch im beginnenden Alter nicht so verhält, wie “es sich gehört” und ganz andere Wertvorstellungen hat als ihre bürgerlichen Kinder.

Das Buch regt zum Nachdenken an – über die eigenen Wertvorstellungen, über den Rollentausch zwischen Kindern und Eltern und darüber, wie sehr uns die Herkunftsfamilie doch ein Leben lang beschäftigt und prägt.

Das erotische Talent meines Vaters bei Amazon bestellen.

Deutschland auf Platz 5!

Gerade geht es wieder durch die Medien, Deutschland ist international auf Platz 5 – was den Alkoholkonsum angeht.

Das wirklich erschreckende dabei ist für mich gar nicht die Gesamtmenge (fast 10 Liter reiner Alkohol pro Person), sondern die Zunahme der Extremfälle, der “Komasäufer” bei Kindern und Jugendlichen und neuerdings auch Senioren, die neben Alkohol auch verstärkt medikamentenabhängig werden.

Der Kölner Stadtanzeiger hat gestern Abend einen ziemlich ausführlichen Artikel zum aktuellen Suchtjahrbuch der DHS (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen) online gestellt.

Sehr lesenswert ist auch ein Artikel aus dem Oktober 2009, der sich mit dem Problem der Alkoholabhängigkeit bei Kindern und Jugendlichen auseinandersetzt – leider wohl eines der Themen, das uns in den nächsten Jahren weiterbeschäftigen wird – Trinken bis der Arzt kommt.

Der gleichnamige Dokumentationsfilm – zum immer wieder anschauen:

Um tiefer in die Materie einzusteigen, empfehle ich auch hier wieder “Treppe in die Dunkelheit” von Steffen Flügler – nach meiner Meinung das Buch zu diesem Thema, das jeder, der mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, gelesen haben sollte. Um sich nicht irgendwann vorwerfen zu müssen:

„Wir haben es nicht gesehen, einfach nicht gesehen. Nicht sehen wollen.“

“Treppe in die Dunkelheit: Eine Suchtgeschichte” bei Amazon bestellen

Kannst Du auch anders?

Ratgeberbücher im Bereich Psychologie und Lebensberatung gibt es ja nun wie Sand am Meer. Darunter sind hilfreiche, abgehobene, brauchbare, optimistische und hoch komplizierte.

Zur ersten Kategorie möchte ich das neue Buch “Ich kann auch anders” von Roland Kopp-Wichmann zählen und hier ein wenig genauer vorstellen.

“Ich kann auch anders” widmet sich 10 häufigen Psychofallen im Berufsalltag, wie man diese erkennt und auch welche Möglichkeiten es gibt, sich daraus zu befreien.

Zu Beginn stellt der Autor seine Leitsätze für dieses Buch vor:

Der Fisch ist der Letzte, der das Wasser entdeckt. (Veränderung ist schwierig.)

Die Landkarte ist nicht die Landschaft. (Weil wir die Wirklichkeit nicht direkt erkennen können, machen wir uns Landkarten von ihr.)

Das Symptom ist die Lösung. (Unser Verhalten ist nie dumm oder schlecht, sondern immer die beste Wahl aus unseren Möglichkeiten.)

Ich kann auch anders. (Wer ein Problem ändern will, muss erst herausfinden, wie er es erzeugt.)

Sehr anschaulich und verständlich stellt Kopp-Wichmann in den nächsten Abschnitten anhand der Leitsätze seine Landkarte vor:

Veränderung ist möglich, aber arbeitsintensiv. Wir verhalten uns so wie wir es tun, weil wir es in unserer Kindheit als wirksames Verhalten erlernt haben und unser “Autopilot” uns reagieren lässt. Dadurch verhalten wir uns manchmal unangemessen und übertragen unbewusste Konflikte in den Berufsalltag.

“Was hinter Ihren beruflichen Problemen steckt” und “Wie Sie sich daran hindern, Probleme zu lösen” sind die beiden Kapitel, in denen der Leser die ersten anschaulichen Hintergrundinformationen über die Landkarte erhält.

“Wie sie sich aus einer Psychofalle befreien können” legt die Reiseroute dar. Mit den vier Werkzeugen der inneren Achtsamkeit, hilfreicher Sätze, Experimente und dem Logbuch wird ein grundsätzlicher Weg aufgezeigt.

Zur inneren Achtsamkeit gibt es auf dem Persönlichkeitsblog einen ausführlichen Artikel mit Podcast Anleitung, um diesen Zustand zu erreichen.

Für jede Psychofalle gibt es dann im Buch zunächst eine Erläuterung des Themas, die den Umfang und die Ausprägung weiter verdeutlichen und Praxisbeispiele zeigen. Die Fragen zum Thema helfen zu erkennen, wie sehr dieses Thema Dich überhaupt betrifft.

Der Abschnitt “Wie sich diese Psychofalle entwickeln kann” leuchtet aus, welche Hintergründe zu diesem Thema geführt haben. Wer mag kann sich noch tiefer mit den Hintergründen auseinander setzen, dafür ist ein Abschnitt “Wenn sie tiefer gehen wollen” da.

Wenn die Hintergründe erläutert sind, folgen die hilfreichen Sätze für das jeweilige Thema, die in der inneren Achtsamkeit ausgesprochen und auf ihre Wirkung beobachtet werden. So kann der Leser genauer eingrenzen, welcher Aspekt eines Themas bei ihm für Schwierigkeiten sorgt.

Wie diese hilfreichen Sätze denn aussehen?

“Mein Leben gehört mir.”

“Ich muss nicht dauernd funktionieren.”

“Meine Grenzen machen mich spürbar.”

“Es ist völlig in Ordnung, ab und zu Nein zu sagen.”

Es sind ein paar willkürlich ausgewählte Beispiele zu unterschiedlichen Themen.

Natürlich musste ich unbedingt ausprobieren, ob das funktionieren kann. Und obwohl ich sicher noch nicht sehr geübt darin bin, in den Zustand der inneren Achtsamkeit zu gelangen, konnte ich doch feststellen, dass einige Sätze eine ganz andere Wirkung erzielen als andere. Während manche Sätze zu einem Thema fast keine Wirkung zeigten, führten bei mir andere zu einem Gefühl der Beklemmung rund um den Solarplexus. Bei anderen wurden meine Füße eiskalt. Und manche ließen mich ganz leicht und entspannt werden.

Ob sich eine solche Wirkung nur mit Hilfe des Buches auch bei Personen erzielen lässt, die noch gar keine Erfahrung mit Prozessen der Persönlichkeitsentwicklung haben, kann ich nicht einschätzen, vielleicht traut sich ja der eine oder die andere Leser/in dran und berichtet dann hier in den Kommentaren davon.

Zur Bewusstmachung von Themen ist das Buch aus meiner Sicht auf jeden Fall hilfreich.

Im nächsten Schritt bietet Kopp-Wichmann zu jedem Thema eine Reihe von Experimenten an, mit denen neues Verhalten ausprobiert und eingeübt werden kann.

Sollte Dir demnächst in der Fußgängerzone jemand mit erhobenen Armen entgegen kommen, so muss derjenige nicht unbedingt von einem unsichtbaren Verfolger mit Waffe begleitet werden, sondern kann auch ein experimentierfreudiger “Ich kann auch anders”-Leser sein. Auch der notorisch unpünktliche Kollege, der plötzlich zu jedem Meeting auf die Sekunde pünktlich erscheint, könnte dieses Buch auf seinem Nachttisch liegen haben. Falls ich Dich mit diesen Beispielen jetzt verschreckt haben sollte – keine Angst, der überwiegende Teil der Experimente ist auch durchführbar, ohne offensichtlich befremdliches Verhalten an den Tag zu legen. Das wären dann beispielsweise “Hören Sie einen Tag auf zu jammern”, “Riskieren Sie pro Tag einen Konflikt” oder auch “Tun Sie mehr Dinge, die Sie gerne tun”.

Wer Geschmack daran gefunden hat, erhält in den Abschnitten “Was Sie noch tun können” eine ganze Reihe weiterer Anregungen zu seinem Thema.

Welche Themen das überhaupt sind?

Auf dem Blog zum Buch ist eine Auflistung und Erläuterung der 10 häufigsten Psychofallen, die in diesem Buch behandelt werden.

Im Abschlusskapitel wird nochmals aufgezeigt, wie die Möglichkeiten, die “Ich kann auch anders” anbietet, in die Praxis umgesetzt werden können. Dazu empfiehlt es sich, das bereits in den Werkzeugen erwähnte Logbuch, ein leeres Notizbuch, anzuschaffen und begleitend zu verwenden.

Denn wirklich wertvoll ist Kopp-Wichmanns Buch nur dann, wenn es als Arbeitsbuch begriffen und verwendet wird und tatsächlich zu eigener Aktivität führt.

Lesen allein genügt nicht.

“Ich kann auch anders” liefert die Landkarte und die Reiseroute – auf den spannenden Weg zu Deiner Persönlichkeit und mehr Zufriedenheit und Erfolg im Beruf musst Du Dich selbst machen!

Das willst Du ausprobieren? “Ich kann auch anders: Psychofallen im Beruf erkennen” kannst Du hier gleich bei Amazon.de bestellen.

Keine Lust allein zu reisen?

Roland Kopp-Wichmann bietet auch Persönlichkeits-Seminare und Coaching an.

Und auch bei mir im Atelier ist das Reiseziel das Gleiche, auch wenn die Landkarte und die Reiseroute sich ein wenig unterscheiden.

Warum ich dann hier darüber schreibe?

Nun – ich bin der Auffassung, dass unterschiedliche Menschen in unterschiedlichen Situationen ihres Lebens auch unterschiedliche Wege zur Auswahl brauchen.

Hast Du einen ganz anderen Weg für Dich gefunden? Wie sieht der aus? Berichte doch in einem Kommentar darüber.

Störungen haben Vorrang!

Die Psychotherapeutin und Begründerin der TZI (Themenzentrierte Interaktion), Ruth Cohn, verstarb am 30.1.2010 im hohen Alter von 97 Jahren.

Quelle: Ruth Cohn Institut

Nun gehe ich davon aus, dass Du nicht unbedingt weißt, wer diese Dame war und was sie getan hat, doch bevor Du jetzt wegklickst, bitte ich um einen Moment der Aufmerksamkeit für sie und ihre Arbeit.

Auch ohne Ruth Cohns Arbeiten näher zu kennen, können die Grundgedanken für jeden hilfreich sein, der in irgendeiner Art und Weise in Beziehungen zu anderen Menschen und Gruppen steht.

Ihre beiden ursprünglichen Grundannahmen (Postulate) möchte ich gern kurz erläutern.

Sei Deine eigene Chairperson!

Ursprünglich sprach Cohn vom Chairman, später setzte sich der geschlechtsneutrale Begriff der Chairperson durch. Eine wirklich passende Übersetzung dafür gibt es nicht, wörtlich übersetzt bedeutet es Obmann, Vorsitzender.

Gemeint ist damit, dass jeder Mensch sich selbst angemessen wahrnehmen soll, auch wenn er sich in einer Gruppe befindet. Jeder soll auf seine innere Stimme hören, seine eigenen Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse wahrnehmen.

Auf sich achten.

Das klingt alles so selbstverständlich und doch rührt ein großer Teil der Probleme, die wir in unserer zivilisierten Welt haben, daher, dass eigene Bedürfnisse unterdrückt und nicht wahrgenommen werden.

Störungen haben Vorrang!

Das meint, dass sich Störungen Vorrang nehmen. Wir erkennen damit an, dass es Faktoren gibt, die mich davon abhalten, meine Aufmerksamkeit dem eigentlichen Thema zu widmen oder uneingeschränkt bei mir zu sein. Solange solche Störungen nicht geklärt sind, beanspruchen sie immer einen Teil meiner Energie. Störungen können dabei nicht nur äußere Einflüsse wie Lärm, Temperatur usw. sein, sondern auch auf der Gefühlsebene angesiedelt sein wie beispielsweise Frustration oder Aversion oder auch Heiterkeit.

Eine kurze Zusammenfassung der wesentlichen Inhalte der Themenzentrierten Interaktion findet sich auf Wikipedia.

Einen sehr empfehlenswerten Einstieg in die Materie gibt das gut lesbare Buch von Barbara Langmaack, das für so manchen Aha-Effekt sorgt und begreifbar macht, was in Gruppen oder Teams denn immer so schief läuft.

Fällt aus! Autorenlesung Steffen Flügler “Die Treppe in die Dunkelheit”

Weiterlesen Fällt aus! Autorenlesung Steffen Flügler “Die Treppe in die Dunkelheit”

Interview mit Steffen Flügler “Die Treppe in die Dunkelheit”

Steffen Flügler, Autor von “Die Treppe in die Dunkelheit“, war so freundlich mir in einem Interview einige Fragen zu beantworten.

In der “Treppe in die Dunkelheit” erzählst Du Deine Geschichte. Was hat Dich motiviert, dieses Buch zu schreiben?

Ich bin mit meiner Geschichte schon vor meinem Buch an die Öffentlichkeit gegangen, indem ich Suchtvorträge hielt. Mir wurde dadurch immer klarer, dass meine Lebensgeschichte doch einen sehr positiven Sinn haben kann, wenn ich sie weitergebe und somit Aufklärungsarbeit leiste. So ist auch langsam die Idee mit dem Buch geboren worden.

Die Person, die mich am meisten motiviert hat meine Geschichte aufzuschreiben, war meine jüngere Schwester, die selbst Autorin ist.

Mir war es von Anfang an sehr wichtig, in erster Linie nicht mitzuteilen WAS, sondern WARUM ich das erlebt habe. Diese Botschaft war meine stärkste Motivation zu schreiben.

Wie würdest Du persönlich Sucht definieren?

Sucht in ein paar Sätzen zu definieren, damit es auch für Außenstehende verständlich ist, ist unheimlich schwer. Dafür ist die Sache viel zu komplex. Ich habe für mein Buch 240 Seiten gebraucht, um Sucht zu definieren. Ich könnte locker noch einmal 240 Seiten schreiben, um genauer darauf einzugehen und wäre immer noch nicht fertig.

Wenn man Sucht im Allgemeinen definieren will, sollte man jedem einzelnen Merkmal der Abhängigkeit eine Definition geben. Diese einzelnen Merkmale sind alleine schon sehr komplex in sich.

Ab welchem Punkt wird etwas zur Sucht?

Meiner Meinung nach kann man nicht exakt sagen, ab diesem oder jenem Punkt wird etwas zur Sucht. Die Grenzen sind sehr schwer - wenn überhaupt - zu erkennen. Außerdem sieht jeder diese Grenze woanders.

Ist jemand süchtig, der sagt: „Ich brauche jeden Morgen zwei Tassen Kaffee, oder mit mir ist nichts anzufangen.“??? Ich denke, bei so einer Aussage gehen die Meinungen weit auseinander, ob süchtig oder nicht.

Natürlich, je häufiger sich meine Gedanken um eine Substanz drehen, je mehr ich meinen Tag danach ausrichte, je mehr es mein Handeln bestimmt, umso tiefer stecke ich in der Abhängigkeit.

Ab welchem Punkt dieses Verhalten zur Sucht geworden ist, ist im Nachhinein nur sehr schwer nachvollziehbar.

Speziell beim Thema Alkohol – wo läuft da, Deiner Meinung nach, die Grenze zwischen ungesundem Konsumverhalten und dem, was akzeptabel ist?

In der Vergangenheit wurde davon ausgegangen, dass ein täglicher Konsum von 20 g reinem Alkohol bei einer Frau und 40 g bei einem Mann eher unbedenklich wäre (20g reiner Alkohol entspricht etwa 0,5 Liter Bier oder ein Viertel Liter Wein).

Mittlerweile weiß man aber, dass diese Menge bei täglichem Konsum über einen längeren Zeitraum auf jeden Fall schädlich für Leber und Gehirn ist. Selbst der tägliche Konsum der Hälfte dieser Menge wird nicht mehr als unbedenklich angesehen.

Ich selbst finde es in Ordnung, wenn jemand zum Essen oder bei einem speziellen Anlass ein Bier, ein Glas Sekt oder Wein trinkt. Im Gegensatz dazu halte ich es für sehr bedenklich, wenn jemand die ganze Woche nicht trinkt, aber sich dafür am Wochenende fünf Bier hintereinander reinschüttet, um den Stress von der Arbeitswoche abzubauen.

Gerade bei Kindern ist in den letzten Jahren zu beobachten, dass immer mehr immer früher zu Alkohol greifen, bis hin zur ausgewachsenen Alkoholvergiftung mit Krankenhauseinweisung. Was sind Warnsignale, bei denen Eltern oder Lehrer aufmerksam werden sollten?

Als Warnsignale würde ich folgende Punkte beachten:

-Wechsel des Freundeskreises

-Schulischer Einbruch

-Vernachlässigung der Interessen (z.B. früher nachgegangenen Hobbys)

-Extreme Unzufriedenheit, Aggression, Niedergeschlagenheit oder ähnliche Emotionen

-Stimmungsschwankungen

-Rückzug aus dem sozialen Umfeld

-Geheimniskrämerei

-Lügen

-Chronischer Geldmangel

Solche und weitere Signale werden oft in verschieden starker Ausprägung bereits am Anfang von Alkohol-bzw. Drogenmissbrauch sichtbar. Da aber viele dieser Erscheinungsbilder und Veränderungen gerade gehäuft in der pubertären Phase auch ohne Rauschmittelkonsum auftreten, ist es auch hier sehr schwierig abzugrenzen.

Ich würde auf jeden Fall dazu raten, ob Eltern oder Lehrer, den Jugendlichen bei Verdacht sofort darauf anzusprechen.

In Deinem Buch steht, dass Du mit zwölf Jahren angefangen hast Bier zu trinken, um ‘lockerer’ zu werden. Kannst Du Dir im Nachhinein irgendwas vorstellen, was vielleicht die weitere Suchtkarriere an diesem Punkt hätte verhindern können? Oder – konkret gefragt – was können Eltern tun, wenn sie den Eindruck haben, dass ihre Kinder in dieser Altersklasse Alkohol trinken?

Im Nachhinein muss ich sagen, dass mich schon ziemlich schnell nichts mehr vom Alkohol hätte abhalten können. Mir hat das einfach zu viel gegeben. Ich war plötzlich in der Lage, in kürzester Zeit, Mut, Selbstvertrauen, Zugehörigkeitsgefühl und vieles mehr zu erlangen. Ich war nach zwei Bier ein völlig anderer Mensch, mit völlig anderen Charakterzügen. Ich konnte plötzlich der Mensch sein, der ich schon immer sein wollte.

Wenn ein Kind anfängt Alkohol zu trinken und hat dadurch einen solch enormen „Gewinn“, ist der Zug eigentlich schon abgefahren und kaum noch aufzuhalten. Deswegen sollten Eltern ihre Kinder aufklären, bevor es soweit kommt.

Klar wurde mir in meinem Elternhaus und der Schule gesagt, dass Alkohol und Drogen „schlecht“ sind, man davon abhängig wird und letztendlich daran stirbt. Aber solche Aussagen geraten schnell in Vergessenheit, wenn man richtig gute Gefühle durch den Konsum bekommt.

Mir wurde nie gesagt, dass Alkohol und Drogen zuerst einmal gute Gefühle auslösen.

Mir wurde nie gesagt, dass Alkohol und Drogen zuerst einmal zu Höchstleistungen anspornen.

Also wurde mir auch nie gesagt, dass genau diese Punkte die Türe zu einer Suchtkarriere öffnen.

Deswegen arbeite ich mit Schülern, Eltern und Lehrern und nur deswegen habe ich mein Buch geschrieben. Ich möchte, dass sich so viele Menschen wie möglich ein klareres Bild über die Sucht machen können.

2010 gebe ich verstärkt Veranstaltungen für Eltern und Lehrer. Es liegt ja auf der Hand, dass man nur aufklären kann, wenn man Wissen über die Sache hat, über die man aufklärt. Dieses Wissen möchte ich vermitteln.

Ob es “die” typische Suchtpersönlichkeit gibt, ist ja mittlerweile umstritten. Gibt es bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, die dafür anfälliger machen, süchtig zu werden?

Ich würde auch nicht behaupten, dass es eine typische Suchtpersönlichkeit gibt. Wer allerdings im hohen Maße empfänglich für Minderwertigkeitsgefühle, Angst, Alleinsein, Melancholie, Leistungsdruck oder ähnliches ist, ist mit Sicherheit gefährdeter als andere. Es ist dabei aber zu berücksichtigen, ob, oder inwieweit die Person diese Gefühle mit einer Substanz ausgleichen kann.

Du beschreibst auch das Netzwerk der Co-Abhängigen, die mit ihrem gut gemeinten Verhalten dazu beitragen, die Sucht aufrecht zu erhalten. Was können Angehörige, Freunde, Partner von Süchtigen sinnvoll tun, um zu helfen?

Helfen kann man eigentlich nur, indem man nicht mehr hilft. Also, den Süchtigen fallen lässt und ihm weder finanzielle noch emotionale Hilfe gewährt. Der Angehörige sollte dem Abhängigen unmissverständlich zeigen, dass er ihn aus seinem Leben verbannt hat, solange dieser nicht bereit ist, sein Leben grundlegend zu ändern (Therapie).

Für Freunde, Lebenspartner und insbesondere für Eltern, ist das natürlich ein harter und manchmal kaum zu bewältigender Schritt. Man unterstützt ja den geliebten Menschen, wenn es ihm schlecht geht und plötzlich soll man ihn auf der Straße liegen lassen. Für die meisten Leute ist das nur ganz schwer nachvollziehbar.

Ich empfehle jedem Angehörigen eine Selbsthilfegruppe oder Suchtberatungsstelle aufzusuchen, um sich zu informieren.

Angehörige ahnen oft nicht im Entferntesten, wie tief sie mit der Sucht des Abhängigen verstrickt sind.

Vielen Dank für die interessanten und aufschlußreichen Antworten.

Alkohol mit zwölf – und was kommt dann?

Die Treppe in die Dunkelheit – Eine Suchtgeschichte von Steffen Flügler

Ein Zwölfjähriger fängt an Alkohol zu trinken und schafft erst 17 Jahre später den Ausstieg aus seiner langen Suchtgeschichte. Mir, selbst Mutter eines zwölfjährigen Sohnes, rutscht das Herz in die Hose, als ich die Kurzbeschreibung dieses Buches sehe.

Wie kommt es soweit?

Diese Frage bewegte mich dazu, das Buch von Steffen Flügler zu lesen. Er erzählt darin seine Lebens- und Suchtgeschichte.

Von den Anfängen, als er sich Mut antrinkt, um dem hübschen Mädchen näher zu kommen. Dem Bier gesellt sich schnell Hochprozentiges hinzu, die ersten Joints und die erste Anzeige wegen Ladendiebstahl. Immer wieder gibt es auch kurze Phasen, in denen die Hoffnung aufkeimt, dass er doch noch die Kurve kriegt, doch jedes Mal geht es anschließend noch ein Stück tiefer.

Immer neue Drogen werden ausprobiert, bis hin zu Heroin, das aber immer nur phasenweise ein Rolle spielt und dann wieder wegen Beschaffungsproblemen in den Hintergrund tritt. Der billigere und einfacher verfügbare Alkohol in Kombination mit Tabletten zieht sich jedoch durch die ganze Zeit hindurch.

Beim Lesen kam ich  immer wieder an Stellen, an denen ich mir dachte ‘noch soviel Buch übrig – kann es denn wirklich noch tiefer gehen?’

Es kann!

Schonungslos offen und krass schildert Steffen Flügler seinen körperlichen Verfall und Szenen, in denen er durch Entzugserscheinungen richtig massiv leidet. In einem kalten Entzug schafft er es schließlich, seinen Körper zu entgiften.

Diese autobiografische Ebene ist brutal und drastisch geschildert und wirkt dadurch deutlich abschreckender als beispielsweise “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo”.

Allerdings erklärt das allein nicht meine Faszination.

Auf einer zweiten Erzählebene greift Flügler immer wieder das Bild der Treppe in die Dunkelheit auf und schafft es hier mit wenigen und einfachen Worten aufzuzeigen, was die Sucht mit dem Süchtigen macht. Er personifiziert die Sucht und gibt ihr Worte, die das Unbegreifliche fassbar machen.

Was sind die Gründe dafür, dass jemand immer wieder zu Alkohol und Drogen greift, was verspricht er sich davon?

Oder genauer – was verspricht ihm die Sucht?

Was fehlt dem Süchtigen?

Dabei wird auch ein weiterer Aspekt deutlich – Sucht ist nicht unbedingt an Substanzen gebunden, sie kann auch auf abstraktere Mittel ausweichen, solange die eigentlichen Ursachen, die die Anfälligkeit ausgelöst haben, nicht beseitigt sind.

Mein Fazit: Dieses Buch möchte ich wirklich jedem ans Herz legen, Eltern, Jugendlichen, Lehrern und auf jeden Fall allen, die in irgendeiner Form mit Kindern zu tun haben.

Am Besten gleich jetzt bestellen!

Was mein Bücherstapel, Falco und Sucht miteinander zu tun haben?

Ja, ich geb’s zu, den Zusammenhang zu finden, ist wirklich schwer. Wenn ich mir anschaue, wieviele Bücher ich so über die Feiertage gelesen habe, dann könnte der Eindruck entstehen, dass ich lesesüchtig bin… das soll aber hier nicht weiter zum Thema werden. In diesem Stapel befinden sich zwei Bücher, die ohne tiefere Absicht dort hineingeraten sind, aber gerade im Zusammenspiel eine verblüffende Wirkung entfaltet haben.

Das erste Buch ist die Falco-Biografie Falco: Die Wahrheit – Wie es wirklich war – sein Manager erzählt von Horst Bork.
Bork erzählt die tragische Lebensgeschichte des Hans Hölzel, der als Falco berühmt und erfolgreich wurde und aufgrund seiner Persönlichkeit und unter dem Einfluß diverser Drogen und Alkohols mehr als einen Absturz erlebte.
Es ist auch dann interessant zu lesen, wenn man von Falcos Musik nicht unbedingt ein großer Fan ist, viele Hintergründe über das Musik Business und den allgemeinen Zeitgeist der achtziger Jahre sind darin zu finden.
Und gerade dadurch, dass das ganze aus der Sicht seines Managers erzählt wird, zeigt sich sehr deutlich, wie sehr sich Sucht auch auf die umstehenden Personen auswirkt.

So richtig hat mich das Thema dann aber erst im zweiten Buch meines Bücherstapels gefangen. Steffen Flügler erzählt in der Treppe in die Dunkelheit: Eine Suchtgeschichte seine Lebens- und Suchtgeschichte.
Wer dabei an Wir Kinder vom Bahnhof Zoodenkt, dem sei schon jetzt verraten, dass dieses Buch viel tiefgehender ist. Es zeigt nicht nur,wie Sucht entsteht, sondern auch, dass Sucht keineswegs nur harte und weiche Drogen umfasst, sondern sich auch ganz anders äußern kann.

Kinderwerkstatt Malen – ein tolles Buch

Ein wunderschön gemachtes Buch aus der Praxis.

Christina Studer erzählt in vielen anschaulichen Episoden aus ihrem reichen Erfahrungsschatz im begleiteten Malen mit Kindern. So ganz nebenbei wird damit auch ein Verständnis dafür geweckt, was diese Art zu malen für die teilnehmenden Kinder bedeutet.

Die unterschiedlichsten Aspekte kommen da ans Tageslicht. Manche Bilder müssen gemalt werden, um zur Stille zu finden. Andere zeigen einen inneren Plan auf.

Bilder können als Medizin wirken, ein asthmakranker Junge findet über einen Asthmakiller hin zu seinem wirklichen Sinnbild, einem Wal. Auf zwölf aneinander gefügten Blättern entsteht ein großer Wal, der eine kräftige Fontäne aussprudelt und so seinem kleinen Maler den Weg zeigt, mit dem Asthma besser umzugehen.

Andere Kinder arbeiten ihre Situation in der Familie auf, sei es nun ein Geschwisterkind und damit verbundene Gefühle von Eifersucht und Neid oder auch eine Trennung der Eltern und die damit verbundenen Schwierigkeiten. Trauer findet ihren Raum, aber auch Freude.

Die großen und kleinen Erlebnisse eines Kinderlebens finden ihren Weg auf Papier.

Christina Studer versteht es sehr gut, ihre Erklärungen mit den Praxisbeispielen zu kombinieren und so einen anschaulichen und gut lesbaren, fundierten Einblick in die Arbeit mit Kindern im Malraum zu geben.

Mehr Informationen zur Autorin und dem Buch gibt es auch auf ihrer Homepage.