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Ich bin Sabine Feickert und helfe als Bilderhebamme auch Deinen inneren Bildern auf's Papier.
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Es ist wichtig, den Weg zu gehen, bevor man am Ziel ankommt.
(Helen Bachmann in “Die Spur zum Horizont”)
 Es ist wichtig den Weg zu gehen
Was bedeutet das für die Arbeit am Bild?
Betrachten wir den Malvorgang als den Weg, das Bild als das Ziel. Im künstlerischen Malen habe ich ein fertiges Bild im Kopf, noch bevor ich zum Pinsel greife. Manchmal entwickelt es sich auch hier beim Malen weiter und in andere Richtungen, aber im Allgemeinen steht das Ziel fest.
Bilder, die im begleiteten Malen entstehen, entwickeln eine Eigendynamik. Sie dürfen, ja sollen sich erst beim Malprozess entwickeln. Deshalb wird das Bild auch nicht konstruiert oder vorgemalt, es soll rausdürfen, was aufs Papier will. Wenn die Malende gut im Kontakt mit ihrem Bild ist, kommen Themen an die Oberfläche, die ganz dicht unter der Bewusstseinsgrenze liegen.
In diesem Weg, im Malprozess, liegt die eigentliche Arbeit an der Persönlichkeit. Beim Malen kannst Du Dich selbst wahrnehmen und erfahren. Ist das für mich so stimmig? Oftmals werden dabei Bilder, die eigentlich ‘richtig’ sind, als unstimmig empfunden und umgekehrt. Die Malbegleiterin macht auf solche Unstimmigkeiten aufmerksam und hinterfragt sie. Sie erkennt Vermeidungsverhalten und typische Verhaltensmuster. Am Bild kann jederzeit verändert und nachgespürt werden, wie sich diese Veränderung anfühlt.
Dabei ist es unglaublich, wie schwer es fallen kann, eine Veränderung zu malen, die eigentlich ganz logisch und schlüssig ist. Und wenn sie dann gemalt ist, fühlt sich das sehr gut und stimmig an. Aber allein, wäre die Malende nie auf die Idee gekommen, das so zu malen.
Bei meinem Kollegen Raimund von Schwangerschaftserlebnis-Blog fand ich einen Artikel, in dem er eine Erfahrung mit Malen beschreibt. Ich stelle mir jetzt vor, ein solches Bild zu begleiten und daran zu erläutern, was es genau bedeutet, ein Bild zu klären.
‘Die Zeichenstifte ließen eine Mauer auf dem Papier entstehen, und davor ein Baum. Es gab noch ein paar Luftballons und fertig.’
Hier setzt die Klärung an – ist das Bild so wirklich fertig? Was für eine Mauer ist das? Gehört die zu einem Gebäude? Ist es eine Gartenmauer? Hast Du sowas schonmal in echt gesehen? Und was hat es mit den Luftballons auf sich? Wo kommen die her? Gibt es dazu eine Geschichte? Möchtest Du mir die erzählen?
Sehr wahrscheinlich nimmt dieses Bild ab hier schon einen ganz anderen Verlauf, aber ich nehme jetzt mal die ursprüngliche Aussage:
‘ Natürlich war mir sofort klar, dass diese Mauer ein Hindernis in meinem Leben darstellen sollte und dass ich unbedingt und sofort drüber weg musste.’
Die Mauer wird als Symbol für ein Hindernis betrachtet. Wir sind es gewohnt Darstellungen symbolisch anzuschauen. Im begleiteten Malen ist eine Mauer eine Mauer. Alle Möglichkeiten sind offen. Begibt sich mein Malender auf diese symbolische Ebene, ist es meine Aufgabe, ihn an das Bild zurückzuholen, weg von der als allgemeingültig betrachteten Interpretation ‘Hindernis’. Dabei handelt es sich um das, was die Gestalttherapie als ‘Introjektion’ bezeichnet, das ungeprüfte Übernehmen von Normen und Vorstellungen. Am nächsten Morgen kommt Raimund zu genau dieser Erkenntnis:
‘Beide Gedanken waren für mich völlig überraschend. Und sehr interessant! Klar, das Bild zeigte einfach eine Mauer. Wieso hatte ich sofort die Idee, über sie hinweg zu kommen? Ist es nicht erstaunlich, wie leicht man einer Annahme folgt ohne zu überprüfen, ob sie überhaupt stimmt? Ich hatte angenommen, dass diese Mauer ein Hindernis symbolisierte – ja, und warum nicht. Aber warum sollte es ein Hindernis sein, das vor mir lag und nicht eines, das ich endlich hinter mir hatte?
Als ich am nächsten morgen aufwachte, hatte ich sofort und als allererstes zwei Gedanken, die glasklar vor mir standen:
1. Jede Mauer hat irgendwo ein Tor – warum also gehst du da nicht entlang bis du dieses Tor gefunden hast?
2. Wer sagt, dass du da rein willst? Vielleicht warst du endlich draußen?’
Wäre dieses Malen begleitet gewesen, wäre genau das schon viel früher, in der Arbeit am Bild eingetreten. Welche Geschichte uns die Mauer dann wohl noch erzählt hätte?
Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach und verfolgt mich schon sehr lang. Wenn zwei Menschen, die in einer Beziehung zueinander stehen, gemeinsam ein Bild gestalten, dann muss doch in diesem Gestaltungsprozess so Einiges an die Oberfläche kommen, was für diese Beziehung typisch ist. Eingefahrene Verhaltensmuster werden erkennbar. Im Bildmotiv werden Ansatzpunkte deutlich, die in weiterführenden Gesprächen geklärt werden können. Am Bild wird Vieles offensichtlich, was im reinen Gespräch vielleicht missverständlich ausgedrückt oder auch nicht ausgesprochen wird.
Natürlich ist es kein einfaches Allheilmittel. Aber ich bin mir sehr sicher, dass das gemeinsame Malen ein hervorragender Einstieg in die Arbeit an einer Beziehung sein kann.
- Es ist schon alles vorbereitet

Diese Pflege der Beziehung erfolgt im Idealfall schon dann, wenn das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen ist. Im idealsten Fall ist sie kontinuierlich, beide Beteiligten leisten immer ihren Anteil, um in Kontakt zu bleiben. In der Praxis wird das wohl in den seltensten Fällen so sein.
Doch gerade wenn sich Routine einschleicht und eigentlich ja alles ganz gut läuft, ist Achtsamkeit geboten. Irgendwann kommt der Punkt, an dem – häufig bei einem Beteiligten zuerst – Vorzeichen der Unzufriedenheit aufkommen. Die sind oft gar nicht konkret benennbar sondern eher ein diffuses Gefühl und werden gern auf Nebenkriegsschauplätzen ausgetragen, beispielsweise in Diskussionen um nicht zugeschraubte Zahnpastatuben oder liegengelassene Socken. Wenn sich solche Vorfälle anfangen zu häufen, wird es Zeit für ein klärendes Bild und/oder klärende Worte.
Um das Potential, das ein Bild hier bietet, besser einschätzen zu können, haben mein Mann und ich einen Selbstversuch gestartet, auch wenn wir in gutem und lebendigem Kontakt miteinander stehen – das Gute kann ja auch immer noch besser werden.
Ausführlich darüber berichtet habe ich hier.
Und um auf die Ausgangsfrage zurückzukehren – ein Bild allein ersetzt sicher nicht den Gang zum Scheidungsanwalt. Aber Bilder gemeinsam gestalten als ein Baustein, ergänzt mit Gesprächen, kann auf jeden Fall helfen, auch größere Krisen zu überwinden. Und wenn es zu zweit nicht geht, dann vielleicht mit fachlicher Unterstützung.
Daneben gibt es ja auch Beziehungen, die sich nicht so leicht auflösen lassen wie eine Ehe, zum Beispiel die Beziehung zwischen Geschwistern. Auch in solchen Fällen kann die Arbeit am gemeinsamen Bild helfen zu einer tragfähigen Basis zu finden.
Normalerweise wird in Gruppen von 5-8 Personen gemalt, ich begleite die ganze Gruppe als Malleiterin . Meine Aufgabe ist es dabei, Dir genau dann Hilfe zu geben, wenn es nötig ist.
Das geschieht auf mehreren Ebenen.
Zum einen auf einer eher technischen Ebene, also alles was direkt mit den Materialien zu tun hat. Da wären zuerst zu
klären, ob Du im Hoch- oder Querformat malen möchtest, mit Pinsel oder den Fingern, mit welchen Farben. Wenn Du zum ersten Mal so malst, gebe ich Dir auch eine kurze Einweisung, was ist wo zu finden, wie geht das vor sich. Auch später findet immer wieder Kontakt auf dieser Ebene statt, ich gebe Dir, falls erforderlich, technische Hinweise, überwache den Zeitrahmen, fordere Dich gelegentlich auf, mal ein paar Schritte zurückzutreten und das Bild aus der Distanz zu betrachten.
Die nächste Ebene ist auf den Malprozess bezogen. Hier gebe ich Dir, falls nötig, Hilfe beim Finden und Klären des Themas. Ich äußere meine eigenen Wahrnehmungen zum Bild und zeige Dir meine Anwesenheit durch Blick- und ggf. Körperkontakt. Niemals werde ich aber Dein Bild werten oder interpretieren. Ich werde manchmal meine eigenen Gefühle und Eindrücke wiedergeben, z.B. „Das macht mich richtig fröhlich!“ oder „Das wirkt auf mich traurig/bedrohlich/…“, aber keinesfalls Kommentare in der Art „was malst du denn da für fürchterliche Sachen“ abgeben. Ich werde Dich auch nach Deinen Gefühlen fragen, was Du empfindest, beim Malen und Anschauen Deines Bildes.
Auf einer dritten Ebene zeigst Du mir beim Malen Deine üblichen Verhaltensmuster. Ich kann Dir durch Nachfragen und Hinweise helfen neue Verhaltensmuster auszuprobieren.
Das Begleitete Malen ist eine Form der Kunsttherapie. Es wurde von der Schweizerin Bettina Egger begründet, als eine Weiterentwicklung des Ausdrucksmalens nach Arno Stern.
Wie geht das vor sich?
Gemalt wird in einem Atelier als eine Art Schutzraum. Der Raum ist fensterlos, damit es möglichst keine Ablenkung von außen gibt. Das Papier wird an den Wänden aufgehängt, in der Mitte des Raums stehen Palettentische.
Es wird mit Gouache- oder Temperafarben gemalt, entweder mit Pinseln oder mit den Fingern. Das Bild wird in der Mitte begonnen und flächig nach außen gemalt, es werden keine Konturen oder Begrenzungen vorgegeben, das Motiv entwickelt sich beim Malen.
Das Motiv?
Es werden Metaphern (dazu später mehr) gemalt in realistischer, gegenständlicher Darstellung.
Das Malen findet in einer Gruppe statt, begleitet von der Malleiterin (Therapeutin).
Im Mittelpunkt steht die Arbeit am Bild. Das Bild wird nicht tiefenpsychologisch interpretiert, sondern bleibt stehen, wie es ist.
Und was ist daran jetzt Therapie?
Entscheidend ist nicht das Bild als Ergebnis, sondern der Weg auf dem es zu diesem Bild kommt. Es geht nicht darum, etwas Schönes oder Künstlerisches zu malen, sondern um den Malprozeß als solchen. In diesem Malprozeß finden innere Bilder ihren Weg aufs Papier, oftmals erzählen diese Bilder dem Malenden eigene Geschichten (auch dazu später mehr). Durch das Begleiten gibt es auch die Möglichkeit, ganz anders, als gewohnt vorzugehen, im Schutzraum des Ateliers. So kann z.B. ein eher zögerlicher Mensch ermutigt werden, beherzter draufloszumalen. Neue Verhaltensweisen lassen sich erproben und dann ins Alltagsleben übertragen.
Vor einigen Jahren habe ich eine AG für Grundschüler geleitet, “Zeitreise durch die Kunstgeschichte”, in der ich mit den Kindern Bilder betrachtet und gemalt habe. Bei den Teilnehmern dieser AG waren auch zwei Jungen, deren Ergebnisse eigentlich immer ganz stark an Kuhfladen erinnert haben. Die beiden haben mit großer Leidenschaft die Temperafarben auf dem Blatt so ineinander verrührt, dass das Ergebnis jedesmal ein großer brauner Flecken in der Bildmitte geworden ist. Das aktuelle Thema war ihnen auch völlig gleichgültig, das Ergebnis war immer gleich.
Aber beim Farbenauftragen ist in den beiden ganz deutlich etwas vorgegangen – anscheinend für sie etwas sehr positives, denn sie waren jedesmal da und mit Begeisterung bei der Sache.
Eines Tages hatte ich Bilder zum Thema “Traumwesen” dabei (Hieronymus Bosch, Dali u.ä.). Da war die Reaktion besonders stark, beide äußerten sich noch kurz, dass sie häufig Albträume hätten und malten dann sofort los wie die Wilden. Das Ergebnis waren besonders viele Kuhfladen *g* und 2 ganz gelöste, entspannte Jungs.
Es war spürbar, dass in ihnen etwas ganz Intensives vorgegangen sein muss beim Malen. Und ich muss ehrlich gestehen, ich hatte ein wenig Angst davor, dass etwas bei ihnen „ausbricht“, das ich nicht mehr ohne weiteres abfangen kann.
Dieses Erlebnis hat mich eigentlich zu der Therapeutenausbildung motiviert, ich wollte auf jeden Fall genug Rüstzeug erwerben, um mit starken, unter Umständen negativen Gefühlen der Malenden umgehen zu können.
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Helft Nicky! Bitte mitmachen und weitersagen!
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