Das ist jetzt zwar nicht so geworden, wie ich es wollte…

nicht so wie ich wollteDas ist jetzt zwar nicht so geworden, wie ich es wollte, aber manchmal muss man das dann auch so lassen!
Mit dieser Aussage überraschte mich ein Siebenjähriger nach etwa 5 Wochen Malen im Atelier. Er hatte sich zu Beginn seiner Atelierbesuche ewig damit verweilt, aus Weiß und Schwarz Grautöne zu mischen. Sie mussten immer wieder neu gemischt und übermalt werden, weil sie seinen Vorstellungen nicht entsprachen.
Wenn er etwas auf sein Blatt geschrieben hat, dann hat er es zumeist durchgestrichen und neu geschrieben, weil ihm das Geschriebene nicht schön genug war.
Bettina Egger geht ja davon aus, dass sich die Malenden beim Malen so verhalten, wie im echten Leben.
Bei diesem Jungen zumindest trifft das wohl sehr genau zu, denn auch bei den Hausaufgaben und in der Schule zeigte er dieses Verhalten. Oft wurde er mit den Arbeitsblättern nicht fertig, weil er wieder und wieder ausradiert hat, weil das nicht so geworden ist, wie er es wollte.
„Aber manchmal muss man das auch so lassen!“ – Zu ihm direkt habe ich das so eigentlich nie gesagt.
Das war eigentlich mein Thema mit einem anderen Jungen in dieser Gruppe. Regelmäßig wollte er das Papier umgedreht haben, weil ihm sein Anfang nicht gefallen hat. Ihn hatte ich immer wieder ermutigt, aus dem missglückten Anfang doch noch etwas zu machen.
Und doch hat es auch auf den Siebenjährigen nachhaltig gewirkt.
So nachhaltig, dass er es in sein Leben außerhalb des Atelier übertragen kann ? ! ?

Aller Anfang ist leicht

malen1Gerade erwachsenen Malenden fällt es oft schwer, den Anfang zu finden.
Deshalb gibt es für Erwachsene beim begleiteten Malen verschiedene Möglichkeiten, Bilder zu beginnen:

Eigene Idee / Vorstellung:
Der Malende hat schon eine Idee, was er malen möchte. Prima, fang bitte in der Mitte des Blattes an damit.

Einstieg über Assoziation zu einer Farbe:
Welche Farbe spricht Dich besonders an? Was fällt Dir zu dieser Farbe ein? Was hat diese Farbe? Kennst Du das irgendwo her?

Oder auch:

Welche Farbe spricht Dich denn gar nicht an? Was fällt Dir dazu ein? Woher kennst Du diese Farbe?

Einstieg über eine Spur:
Mit einer ausgewählten Farbe wird mit geschlossenen Augen(ev. auch mit der ungeübten Hand) eine Farbspur auf Papier gebracht. Das, was in dieser Spur erkannt wird, wird ausgearbeitet.
Beim ersten Mal sollte das Bild möglichst nicht mit einer Spur begonnen werden, denn das erfordert ein hohes Abstraktionsvermögen und überfordert in den meisten Fällen die Malenden.
Wird ein Bild mit einer Spur begonnen, so soll die erste spontane Idee ausgearbeitet werden, ganz egal wie banal oder blöd sie vielleicht ist. Es ist möglich die Ausarbeitung mit einer anderen Farbe zu machen. Die Größe und die Form der Spur soll nicht verändert werden.

Einstieg über Farbklecks:
Es wird mit einen Klecks in einer ausgesuchten Farbe begonnen, der wachsen darf, bis die Malende etwas darin erkennt / damit assoziiert.

Der Einstieg über eine Spur und über den Farbklecks sollte nur mit Malenden gemacht werden, die bereits mit dem begleiteten Malen vertraut sind. Gerade diese Methoden lassen sehr stark die „inneren Bilder“ aufs Papier und können sehr wirksame Bilder hervorbringen. Bilder, die die Malenden in ihrer persönlichen Entwicklung weiterbringen. Bilder, die unter Umständen auch schmerzhaft sein können. Oder befreiend.

Begleitetes Malen, was ist das eigentlich?

Das Begleitete Malen ist eine Form der Kunsttherapie oder auch eine Methode zur Persönlichkeitsentwicklung. Es wurde von der Schweizerin Bettina Egger begründet, als eine Weiterentwicklung des Ausdrucksmalens nach Arno Stern.

Wie geht das vor sich?

Gemalt wird in einem Atelier als eine Art Schutzraum. Der Raum ist fensterlos,  damit es möglichst keine Ablenkung von außen gibt. Das Papier wird an den Wänden aufgehängt, in der Mitte des Raums stehen Palettentische.

begleitetes malen
Das Bild wird zum Gegenüber

Es wird mit Gouache- oder Temperafarben gemalt, entweder mit Pinseln oder mit den Fingern. Das Bild wird in der Mitte begonnen und flächig nach außen gemalt, es werden keine Konturen oder Begrenzungen vorgegeben, das Motiv entwickelt sich beim Malen.

Das Motiv?

Es werden Metaphern gemalt in realistischer, gegenständlicher Darstellung.

Das Malen findet in einer Gruppe statt, begleitet von der Malleiterin (Therapeutin).

Im Mittelpunkt steht die Arbeit am Bild. Das Bild wird nicht interpretiert, sondern bleibt stehen, wie es ist.

Und was ist daran jetzt Therapie?

Entscheidend ist nicht das Bild als Ergebnis, sondern der Weg auf dem es zu diesem Bild kommt. Es geht nicht darum, etwas Schönes oder Künstlerisches zu malen, sondern um den Malprozess als solchen. In diesem Malprozess finden ‚innere Bilder‘ ihren Weg aufs Papier, oftmals erzählen diese Bilder dem Malenden eigene Geschichten (auch dazu später mehr). Durch das Begleiten gibt es auch die Möglichkeit, ganz anders, als gewohnt vorzugehen, im Schutzraum des Ateliers. So kann z.B. ein eher zögerlicher Mensch ermutigt werden, beherzter draufloszumalen. Neue Verhaltensweisen lassen sich erproben und dann ins Alltagsleben übertragen. Das begleitete Malen dient auch der allgemeinen Persönlichkeitsentwicklung. Es hilft bei Entscheidungsfindung in schwierigen Situationen und um ganz allgemein klarer zu sehen.