Störungen haben Vorrang!

Die Psychotherapeutin und Begründerin der TZI (Themenzentrierte Interaktion), Ruth Cohn, verstarb am 30.1.2010 im hohen Alter von 97 Jahren.

Quelle: Ruth Cohn Institut

Nun gehe ich davon aus, dass Du nicht unbedingt weißt, wer diese Dame war und was sie getan hat, doch bevor Du jetzt wegklickst, bitte ich um einen Moment der Aufmerksamkeit für sie und ihre Arbeit.

Auch ohne Ruth Cohns Arbeiten näher zu kennen, können die Grundgedanken für jeden hilfreich sein, der in irgendeiner Art und Weise in Beziehungen zu anderen Menschen und Gruppen steht.

Ihre beiden ursprünglichen Grundannahmen (Postulate) möchte ich gern kurz erläutern.

Sei Deine eigene Chairperson!

Ursprünglich sprach Cohn vom Chairman, später setzte sich der geschlechtsneutrale Begriff der Chairperson durch. Eine wirklich passende Übersetzung dafür gibt es nicht, wörtlich übersetzt bedeutet es Obmann, Vorsitzender.

Gemeint ist damit, dass jeder Mensch sich selbst angemessen wahrnehmen soll, auch wenn er sich in einer Gruppe befindet. Jeder soll auf seine innere Stimme hören, seine eigenen Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse wahrnehmen.

Auf sich achten.

Das klingt alles so selbstverständlich und doch rührt ein großer Teil der Probleme, die wir in unserer zivilisierten Welt haben, daher, dass eigene Bedürfnisse unterdrückt und nicht wahrgenommen werden.

Störungen haben Vorrang!

Das meint, dass sich Störungen Vorrang nehmen. Wir erkennen damit an, dass es Faktoren gibt, die mich davon abhalten, meine Aufmerksamkeit dem eigentlichen Thema zu widmen oder uneingeschränkt bei mir zu sein. Solange solche Störungen nicht geklärt sind, beanspruchen sie immer einen Teil meiner Energie. Störungen können dabei nicht nur äußere Einflüsse wie Lärm, Temperatur usw. sein, sondern auch auf der Gefühlsebene angesiedelt sein wie beispielsweise Frustration oder Aversion oder auch Heiterkeit.

Eine kurze Zusammenfassung der wesentlichen Inhalte der Themenzentrierten Interaktion findet sich auf Wikipedia.

Einen sehr empfehlenswerten Einstieg in die Materie gibt das gut lesbare Buch von Barbara Langmaack. Es sorgt für so manchen Aha-Effekt und macht begreifbar, was in Gruppen oder Teams denn immer so schief läuft.

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