Buchempfehlung: Was hast du denn da gemalt? / Kreative Kinder

Buchempfehlungen

„Das Kind ist nicht schmutzig sondern farbig!“

Bingo, spätestens bei diesem (sinngemäß wiedergegebenen) Satz hatte Rudolf Seitz bei mir gewonnen.

Interessant sind sie alle, die Bücher aus dem Hause Marielle und Rudolf Seitz. Rudolf Seitz (1934-2001), Kunstpädagoge und Gründer der „Schule der Phantasie“ hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, die sich mit dem kreativen Gestalten von Kindern (und Senioren) befassen. Ein paar davon möchte ich in der nächsten Zeit näher vorstellen.

Einige davon sind vergriffen, aber antiquarisch mit etwas Suche und Geduld noch aufzutreiben.

„Was hast du denn da gemalt?“ zeigt grundsätzliche Aspekte im Zeichnen und Malen mit Kindern auf. Warum es so wichtig ist und wie Kinder dabei gefördert werden können, ja, welche Bedeutung Zeichnen und Malen überhaupt für die kindliche Entwicklung hat und warum sie das so tun, wie sie es tun, sind die Themen der ersten beiden Kapitel.

Der „Entwicklung der Bildsprache“ widmet er ein weiteres, ausführliches Kapitel. Lebendig und anschaulich erklärt er darin u.a. wie unterschiedlich doch allein schon das Kritzeln sein kann, wie sich daraus und darin Formen entwickeln und was es mit den Namen, die Kinder ihren Kritzeleien geben, auf sich hat. Kopffüßler, Menschenbilder, Vögel mit vier Beinen und merkwürdige Maschinen sind hier weitere Themen.

Die „Stilmittel der Kinderzeichnung“ sind beispielsweise die Linien am oberen und unteren Bildrand, das Drehen der Blätter und was es mit geklappten Häusern und ‚Röntgenbildern‘ auf sich hat. Anschaulich und auf sehr respekt- wie liebevolle Art erläutert Seitz, wie Kinder ihr Wissen in ihren Bildern verarbeiten, wie raffiniert sie tricksen, um alle wichtigen Informationen unterzubringen.

Ein eigenes Kapitel widmet er dem Thema „Materialien und Gestaltungsmittel“ und stellt hier die Grundausstattung sowie erweiterte Möglichkeiten vor. „Von Lob, Kritik und Randgebieten“ sowie „Fragen aus dem Alltag“ handeln die beiden nächsten Abschnitte. Auch hier zieht sich der respektvolle Umgang mit den Arbeiten der Kinder durch. Gerade für den Umgang mit solchen alltäglichen wie heiklen Themen wie Fehler korrigieren, vorzeichnen, Selbstzweifel oder die Aussage „Ich kann nicht zeichnen!“ zeigt Seitz feinfühlig Wege auf. Er streift das „Deuten, Sammeln“, „Begabung und Jugendkunstschulen“ sowie weitere „Anregungen und Hilfen“.

Falls „Was hast du denn da gemalt?“ nicht (oder nur zu Wucherpreisen) zu kriegen ist, deckt das 2009 von Marielle Seitz herausgegebene „Kreative Kinder: Das Praxisbuch für Eltern und Pädagogen“ die wichtigsten Aspekte aus „Was hast du denn da gemalt?“ in gründlich überarbeiteter Form ebenfalls ab.

Darüberhinaus enthält es einen etwas umfangreicheren Teil zu den Materialien und deren konkreten Einsatzmöglichkeiten sowie die Themen „Persönlichkeitsentwicklung“ und „Kreativität als grundsätzliches Bildungsthema“. Die thematische Überschneidung der beiden Bücher ist ziemlich groß, „Kreative Kinder“ vielleicht in manchen Punkten noch etwas zeitgemäßer als das bereits 1995 erschienene „Was hast du denn da gemalt?“.

Eines dieser beiden Werke sollte jeder, der mit Kindern kreativ arbeitet auf jeden Fall lesen und besitzen.