Introvertierte Kinder

Auch wenn sie kaum auffallen – es gibt sie doch: die introvertierten Kinder.

verträumter junge
Stille Wasser …

Wo andere rumtoben und schreien, wild spielen und eher gebändigt werden müssen, da sitzen sie vielleicht ganz versunken mit einem Buch oder Spielzeug still in ihrer Ecke. Sie sind zurückhaltend und ruhig, dabei aber nicht unbedingt verschüchtert. Oftmals gehen sie im Trubel unter, finden wenig Beachtung. Es ist ihr Naturell, dass sie schon sehr früh sehr viel mit sich selbst ausmachen.

Für Eltern, Lehrer und Erzieher sind diese Kinder eigentlich recht angenehm zu handhaben, auch wenn es oftmals schwer ist, zu differenzieren, ob sie nun geistig anwesend sind oder vielleicht in eine Traumwelt versunken.

Gerade bei Kindern mit diesem Grundcharakter ist es oft sehr schwer zu erkennen, wenn sie etwas bedrückt und unter Umständen fast unmöglich herauszufinden, was das nun ist.

Diese Kinder brauchen ganz besonders viel Achtsamkeit und Aufmerksamkeit – vor allem dann, wenn man als Elternteil oder andere Bezugsperson auch nur den Hauch einer Ahnung hat, dass sie Probleme mit sich herumtragen. Da gilt es ganz genau zuzuhören, auf kleinste Andeutungen zu achten und sich viel Zeit für Gespräche und Beschäftigung zu nehmen.

Ich habe solche Kinder im Malatelier und ich habe sie gern da.

Ihre Bilder sind für sie eine Möglichkeit, um Sorgen und Nöten Ausdruck geben zu können, ohne dafür Worte finden und gebrauchen zu müssen. Diese Bilder können ein Hilfeschrei sein, der oft unspektakulär daherkommt. Genaues Hinschauen ist notwendig, nicht nur auf das fertige Bild, sondern vielmehr noch auf den Malprozess.

Es kann dann sein, dass das Malen allein schon hilft, ein Problem zu klären. Es kann aber auch sein, dass sich beim Malen zeigt, dass zusätzliche Hilfe notwendig ist. Aber so gut wie immer hilft das Malen dabei, dies zu erkennen und zu ermöglichen.

Ich mag die introvertierten Kinder so sehr, dass ich ihnen eine eigene Website gewidmet habe, sie heißt Stilles Kind.

 

Bildquelle: wikicommons

Nicht für die Schule…

…, sondern für’s Leben lernen wir.

Theoretisch jedenfalls. Gerade jetzt, kurz vor den Halbjahreszeugnissen, kann da aber durchaus ein ganz anderer Eindruck vorherrschen. Schüler und Eltern sind schwer im Notenstress, hier wird gebibbert und gebangt dort über Tarife für Zeugnisgeld verhandelt.

Ich will mich nun nicht über den Sinn oder Unsinn von Notenzeugnissen auslassen, dazu gibt es in dem Medienecken einen sehr schönen Artikel, sondern mich darauf konzentrieren, wie denn nun für’s Leben gelernt wird.

Kurz nach Beginn dieses Schuljahres hatte ich – aus unerfreulichem Anlass – ein ganz interessantes und erfreuliches Gespräch mit einem Mathematiklehrer. Dabei ging es auch darum, was gelernt, im Sinne von reproduzierbar auswendig gelernt, und was verinnerlicht ist.

Am Beispiel der Bruchrechnung (Thema in der 6. Klasse) zeigte er mir auf, wie er sofort erkennt, ob Schüler das verinnerlicht haben oder damals die guten Noten hatten, weil sie die Regeln auswendig gelernt und die Anwendung gut geübt haben. Er stellte einer neunten Klasse ganz einfache Bruchaufgaben (1/2 + 1/4). An den Antworten war ganz deutlich zu erkennen, wer gelernt und vergessen und wer verstanden hatte.

Wie gelangen aber die Schüler zum Verstehen?

Gerade bei diesem Beispiel der Bruchrechnung landen wir sehr schnell wieder beim Bild – jemand, der sich diese Aufgabe bildlich vorstellt (eine halbe Pizza und eine viertel Pizza) hat automatisch das richtige Bild vor Augen – die dreiviertel Pizza.

Wenn wir Grundprinzipien in Bilder umsetzen können, dann ist das schon die halbe Miete. Unser Gehirn arbeitet viel mit Bildern – alles, was wir uns bildlich darstellen können, liefern wir dem Gehirn gut aufbereitet zur Speicherung und Anwendung.

Zum Bild gelangen – das können wir üben und lernen.

Wie? Ganz einfach – durch Tun.

Malen, skizzieren, zeichnen. Das Ergebnis muss nicht schön und perfekt sein, es wirkt trotzdem!

Was ist denn nun der Unterschied zum Malen zu Hause?

Es sind nicht die Materialien allein

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Gedanke Einigen beim Lesen hier immer wieder durch den Kopf geht.

Einer meiner Malenden hatte ihn während des Malens ausgesprochen – und dann ein paar Unterschiede gleich selbst festgestellt:

Wer stellt sich daheim schon über zwanzig verschiedene Farbtöne bereit?

Dazu einen ganzen Haufen Pinsel und Farbschüsselchen?

Das große Papier gibt es auch nicht an jeder Ecke – Erwachsene malen auf 100×70 cm, Kinder auf dem halben Format.

Wer hat einen wirklich ungestörten Raum, in dem das Papier direkt an die Wand gehängt werden kann?

Das alles sind äußere Gründe, die sich noch irgendwie einrichten liessen.

Aber es ist noch mehr dabei:

Eine Kollegin hatte mich besucht und wir haben gemeinsam in meinem Atelier gemalt – jede für sich. Wir hatten alles – den Raum, die Farben, Papier und doch war es nicht das Gleiche. Die Atmosphäre ist völlig anders, wenn jeder so vor sich hinmalt.

Es fehlt die Sicherheit, dass – wenn immer es nötig ist – da jemand für mich da ist. Dass meine „Bilderhebamme“ zur richtigen Zeit eingreifen wird und mich die ganze Zeit wohlwollend und aufmerksam begleitet – auch wenn sie vielleicht nur da steht und oberflächlich betrachtet nichts tut.

So wie die Hebamme bei der echten Geburt nur im richtigen Moment da sein muss, um das Richtige zu tun, so ist es auch bei der „Bildgeburt“.

Eigentlich kann man es gar nicht richtig erklären – probier’s doch einfach mal aus!

Malen ist doch nicht so wichtig – Krabbeln auch nicht

Ist Malen für Kinder wichtig?
Müssen Kinder malen? Ist Malen wichtig?

Zumindest für uns Erwachsene mag das so gelten. Tatsächlich bewegen wir uns normalerweise äußerst selten auf allen Vieren vorwärts und wenn wir es doch mal tun, dann beschweren sich schon nach kürzester Zeit die Knie – meine zumindest. Krabbeln ist für uns also tatsächlich nicht (mehr) so wichtig.

Daraus nun zu schlußfolgern, dass auch Kinder das nicht brauchen, wäre fatal und ist mittlerweile auch glücklicherweise in den Köpfen der meisten Eltern und so ziemlich aller Kinderärzte angekommen. Beim Krabbeln lernen Kleinkinder ganz viel – weit mehr als nur sich von einer Zimmerecke zur anderen zu bewegen. Muskulatur und Motorik wird geschult. Das ist ganz offensichtlich einleuchtend. Weniger offensichtlich ist das, was im Gehirn dabei passiert. Jede Körperseite wird von einer Hirnhälfte gesteuert.  Überkreuzbewegungen  beim Krabbeln (und anderen Tätigkeiten) tragen wesentlich zur Vernetzung, dem Zusammenspiel, der beiden Hirnhälften bei.

Das Zusammenspiel der Hirnhälften ist ganz wichtig beim späteren Lesen- und Schreiben-Lernen, für das soziale Verhalten und die psychische Stabilität.

Je schlechter die beiden Hirnhälften zusammenarbeiten, umso größer wird die Gefahr, dass sich später auch in anderen Bereichen Schwierigkeiten aufzeigen.

Was Malen mit Krabbeln zu tun hat

Und das Malen? Nun, hier ist es sehr ähnlich.

Dass das Malen gerade für kleine Kinder ein immens wichtiges Ausdrucksmittel ist, das leuchtet noch gut ein. Kinder, die noch nicht Schreiben können, finden im Malen eine Möglichkeit, bleibende Spuren zu hinterlassen. Das ist die offensichtliche Ebene, die den Kindern auch zugestanden wird, im Kindergarten und bis ins Grundschulalter hinein. Doch auch beim Malen entwickelt sich das Gehirn, bzw die Zusammenarbeit der Hirnhälften weiter.

Das Malen der Kinder kann wertvolle Hinweise darauf geben, wie die Wahrnehmung entwickelt ist. Durch häufiges freies Malen wird die Entwicklung der Wahrnehmung und die Zusammenarbeit der Hirnhälften gefördert.

Und das nicht nur im Kindergarten sondern auch als Erwachsener bis ins hohe Alter hinein.

Veränderungsturbo letzter Teil: Gut Ding will Weile haben…

…und ermöglicht alle Veränderungen.

Manche davon brauchen viele Anläufe und noch mehr Zeit. Oftmals stecken dann tiefere Themen dahinter, die zuerst aufgelöst werden müssen.

Manche Themen ändern sich auch nur durch eine andere Sicht darauf. Mein Problem ist nicht gelöst, aber ich sehe es jetzt mit anderen Augen und kann damit leben und umgehen.

Oder, um mit den Worten der Gestalttherapie zu sprechen:

„Veränderung geschieht, wenn jemand wird, was er ist, nicht wenn er versucht, etwas zu werden, das er nicht ist.“ Arnold R. Beisser

Soll das jetzt der Freibrief sein, um nichts verändern zu müssen?

Ganz sicher nicht!

Aber gerade bei ganz veränderungsresistenten Themen kann die Erkenntnis, dass manche Dinge ihre Zeit brauchen, Druck aus der Angelegenheit nehmen.

Wenn Dir Dein tiefstes Inneres ganz ehrlich und aufrichtig sagt „Ich brauche noch Zeit„, dann (und nur dann) gib ihm die.

Damit will ich die Veränderungsserie für’s Erste abschließen und mich in der nächsten Zeit wieder ein bisschen mehr dem Malen zuwenden.

Obwohl beides für mich und meine Arbeit untrennbar miteinander verbunden ist. Jedes Bild, das in meinem Atelier gemalt wird, ist ein kleiner oder großer Baustein zu einer umfassenden und ganzheitlichen Veränderung und Weiterentwicklung der Persönlichkeit.

Veränderungsturbo Teil 5: Sei nachsichtig mit Dir selbst

Ist das jetzt nicht total widersprüchlich? Ich schreibe hier darüber, wie Veränderungen gelingen sollen, und fordere Dich jetzt auf, nachsichtig mit Dir selbst zu sein?

Auf den ersten Blick vielleicht. Aber ich glaube, dass viele Veränderungen schon allein deswegen nicht gelingen, weil wir viel zu hohe Ansprüche an uns selbst stellen und unsere Erwartungen zu hoch stecken.

Mit einer gesunden Portion Nachsicht kann es gelingen, unsere Veränderungswünsche zu sortieren, in die richtige Reihenfolge und auf ein realisierbares Maß zu bringen.

Was ist wirklich wichtig?

Schau Dir mal all Deine Veränderungswünsche oder guten Vorsätze an – ich nehme jetzt mal ein paar der Top Ten als Beispiel:
Auf Platz 1 liegt hier „Stress vermeiden oder abbauen“.

Ok, das ist zweifellos ganz wichtig. Ich lass‘ mich nicht mehr stressen, das klingt doch gut, oder? Ganz ehrlich? Mich stresst schon die Aussicht darauf. Wie soll ich denn das bewerkstelligen, ständig und überall Stress zu vermeiden? Da muss ich ja den ganzen Tag darauf achten, ob mich jetzt vielleicht dieses oder jenes gerade in Stress versetzt, was ein Stress 😉

Aber jetzt mal ganz im Ernst, ich glaube, so wird das nix. Wenn auch Du zu denjenigen gehörst, die ihr Leben etwas entspannter führen wollen, dann denke mal darüber nach, welche Situationen Du als ganz besonders anstrengend empfindest.

Ein übervoller Terminkalender, der Dich von einem Ort zum anderen hetzt? Oder von einer Aufgabe zur anderen? Welche Termine sind wirklich wichtig und unvermeidbar und welche lassen sich streichen? Wo kannst Du jeden Tag 10 Minuten Zeit für Dich einschieben – nein, keine Widerrede – 10 Minuten gehen immer irgendwie.

Und wie kannst Du diese 10 Minuten ganz bewusst nutzen, um zum Beispiel ein paar Entspannungsübungen zu machen? Oder Dir eine schöne Tasse Tee und ein kleines Stück Schokolade zu gönnen. Ganz bewusste kleine Pausen als Ausgleich einzubauen – und wenn es jeden Tag nur 10 Minuten sind. Das ist immer noch mehr, als den ganzen Tag auf der Stresslauer zu liegen.

Oder nehmen wir als anderes Beispiel – „Gesünder ernähren“ und „Abnehmen„, immerhin auf Platz 5 und 6 der Top Ten. Ich glaube, auch das sind perfekte Beispiele für eine Selbstüberforderung.

Jeden Tag nur noch ganz viel Gemüse und Obst oder die XY-Diät, um mindestens 20 Kilo runterzukriegen. Und am dritten Tag sitzt Du da mit einem Blähbauch von dem ganzen Gemüse und stopfst die Frustschoki in Dich rein, oder? Vielleicht wären auch hier kleine Schritte angebracht, eine langsame Ernährungsumstellung, die mit dem berühmten Apfel am Tag (an apple a day, keeps the doctor away) beginnt und als erstes Ziel hat, dass der Hosenknopf wieder bequem zu geht. Oder, wenn Dir das zu wenig erscheint, dann stelle doch erstmal eine Mahlzeit um – vielleicht das Frühstück. Das besteht bei mir zum Beispiel aus einem Naturjoghurt mit Müsli und einem Apfel. Außer Sonntags, da gibt es Brötchen oder Toast und Frühstückseier und was auch immer das Herz begehrt.

Mit Augenmaß und Machbarkeit rangehen, schön langsam eins nach dem anderen. Ausnahmen müssen möglich sein.

Und wenn der alte Schlamper doch mal wieder die Oberhand gewinnt?

Dann sei nachsichtig mit Dir selbst, morgen ist ein neuer Tag zum Pausen einlegen und Äpfel essen.

Veränderungsturbo Teil 4: Gemeinsam sind wir unausstehlich

Gerade letztens ist mir das aufgefallen – ich stand im Supermarkt und auf einem dieser ominösen Grabbeltische lagen DVDs mit Pilates-Workouts. Der erste Gedanke war „Klasse, da kannst Du das auch zu Hause machen, sind ja auch gar nicht teuer“. Aus dem Hintergrund schoß aber gleich der ‚Kein-Gerümpel-mehr-Ansammler‘„Machste eh‘ nicht!!!“

Und was soll ich sagen? Wo er Recht hat, hat er Recht.

Die DVD wanderte in den Korb zurück – denn allein mach ich das wirklich nicht. Zum Sport gehört für mich unabdingbar dazu ein fester Termin und eine Gruppe. Obwohl mich mit den Teilnehmern dieser Gruppe wirklich nur das eine gemeinsame Interesse, nämlich diesen Sport zu machen, verbindet, brauche ich die Gruppe dafür. Nicht nur die Menschen, sondern auch die Rahmenbedingungen – den festen Termin, den festen Ort. Solche Gruppen gibt es nicht nur für Sport sondern auch zum Malen, Abnehmen, Reden, Frühstücken, als Lerngruppen usw.

Ein Teil dieser Gruppen ist auf Dauer angelegt, als ein begleitendes Angebot, während andere nur zeitweise sinnvoll sind. Nehmen wir beispielsweise die Abnehmgruppe – wenn das Angebot gut ist, sollte es sich auf Dauer selbst überflüssig machen.

Für andere Themen oder dann, wenn die Gruppe allein nicht den gewünschten Effekt bringt, kann es vielleicht interessant sein, sich einen Mentor oder Coach zu suchen – einen Begleiter auf den ersten Schritten, mit dem Ziel diesen Weg bald allein weitergehen zu können. Roland Kopp-Wichmann beschreibt einige Beispiele dafür im Zusammenhang mit der „Aufschieberitis„.

Gerade für Menschen, denen es schwer fällt, den Anfang zu machen, kann eine solche Lösung ideal sein.

Welcher Weg für Dich der Richtige ist, das musst Du selbst herausfinden – fang einfach an!

Veränderungsturbo Teil 3: Wenn der Nutzen groß genug ist

Ich – bekennender Haushalts- und Bürokratiemuffel und Supermarkthasser, erstelle schon seit Jahren jede Woche einen Essensplan.

Wie das zusammenpasst?

Nun – sehr genervt vom ewigen „Was sollen wir heute essen?“ „Fischstäbchen mit Pommes!“, dem Absuchen der Vorräte nach irgendwelchen passenden Kombinationen und hektischem, kurzfristigem Einkaufen fehlender Zutaten wurde ich irgendwo im Web auf diese Idee aufmerksam.

Einmal die Woche planen, dabei gleich den Einkaufszettel schreiben, ein Wocheneinkauf und dann Ruhe vor dem Thema haben – das klang verlockend. Doch gleich meldeten sich die Zweifel an.

„Was, wenn wir dann gar keine Lust auf das Geplante haben? Wenn unvorhergeseheneTermine zwischenrein kommen? Ist das nicht viel zu viel Bürokratie?“

„Naja, wenigstens mal ausprobieren“ meinte die Experimentierfreude. Also gut, beim ersten Mal war es richtig schwierig, überhaupt so viele verschiedene Essen für eine ganze Woche zu finden. Die Familie dazu gerufen und befragt, was sie gern mal wieder essen möchten. Alle Vorschläge notiert und den größten Teil für den Plan verworfen, weil viel zu aufwendig – ein Essen für ein Wochenende mit genug Zeit zum Kochen.

Nach einer längeren Planerei stand er schließlich – unser allererster Essensplan. Den Einkaufszettel dafür zu schreiben war dann ein Klacks und nach dem ersten Einkauf mit diesem ‚geplanten‘ Zettel machte sich ein wohliges Gefühl der Sorglosigkeit breit. „Das mache ich nächste Woche wieder so!“ Der Plantag nahte und der innere Schweinehund – oder wie auch immer diese Stimme bezeichnet werden soll, jaulte ganz leise vor sich hin: „Pfuibähigitt – schon wieder Papierkram und das auch noch freiwillig, das muss doch echt nicht sein“. Aber die Euphorie über die bequeme Kocherei der letzten Woche war lauter und stärker: „Ätschibäbätschi – keinen Kopf mehr zerbrechen müssen, alles im Haus haben und keine Maulerei der Kinder mehr, weil jetzt jeder schwarz auf weiß sieht, wann es wieder sein Lieblingsessen gibt!“

Das klingt jetzt so supereinfach und eigentlich war es das auch.

Mit der Zeit zeigten sich positive Nebeneffekte – dem Haushaltsbudget tat es sehr gut.

Auf Dauer entwickelt sich so auch ein wunderbares Archiv, wenn mir die Ideen fehlen, dann blättere ich einfach im Kalender zurück und sehe dann gleich ein Essen, das wir auch mal wieder machen könnten. Gelegentlich gewinnt der alte Schlamper doch auch mal wieder Überhand für ein paar Tage, doch spätestens nach dem dritten Mal „Fischstäbchen mit Pommes!“ wird der Kalender wieder mit dem Essensplan bereichert.

Wenn die Zeit zum Kochen doch knapper wird als vorhergesehen, dann findet sich immer irgendeine Tauschmöglichkeit und falls tatsächlich mal so viele Reste bleiben, dass es für eine ganze Mahlzeit reicht, dann wird der Rest des Plans geschoben oder getauscht.

Und weil es mir das Leben wirklich erleichtert, komme ich nach jeder Schlamperphase auch gern wieder darauf zurück. Weil für mich der Nutzen so groß ist, dass er alle Gegenstimmen schnell verstummen lässt.

Das heißt nun nicht, dass Ihr jetzt alle anfangen müsst Essenspläne zu schreiben – aber vielleicht gibt es irgendetwas ganz anders, das Euch so nützlich wird, dass Ihr gar nicht mehr aufhören wollt, wenn Ihr mal damit angefangen habt.

PS: Gerade meldet sich die Experimentierfreude zu Wort und meint: „Wenn Ihr auch sowas gefunden habt, dann sagt es mir doch bitte!“

Der Veränderungsturbo Teil 2: Frustfresserei oder bewusster Genuss?

Das Essverhalten verändern ist eine der Veränderungen, die oft allein zu schaffen sind, auch wenn es schwierig ist und nicht immer gelingt.

Ich denke, sehr viel erfolgversprechender aber auch schwieriger als irgendwelche Wunderdiäten ist eine dauerhafte Veränderung des Essverhaltens, die dann auf lange Sicht zu dem gewünschten Ziel der Gewichtsabnahme führen kann.

Um zu erkennen, was ich verändern kann, muss ich zuerst einmal wissen, wie ich es denn jetzt überhaupt mache.

Auch das klingt wieder so selbstverständlich und einfach, schnell zeigt sich aber, das es genau das nicht ist. Es kann hilfreich sein, wenn Du Dir Dein bisheriges Essverhalten bewusst machst. Achte mal darauf, führe vielleicht sogar eine Liste, wann Du was und wie viel davon isst. Vielleicht hältst Du sogar schon mit fest, warum Du das gerade gegessen hast. War es wirklich Hunger oder doch vielleicht Langeweile, Verlockung, Frust oder Gier? Hat es gerade so gut geschmeckt, wolltest Du den Koch/die Köchin nicht kränken, meldet sich vielleicht im Hinterkopf die Stimme aus der Kindheit ‚Iss Deinen Teller leer!‘?

Es gibt tausend Gründe für ein Verhalten, die genaue Motivation kann nur derjenige wissen, der sich so verhält. Im tiefsten Inneren zumindest, ist dieses Wissen da.

Eine Veränderung kann dann einsetzen, wenn wir uns dieses Wissen aus dem tiefsten Inneren bewusst machen und daraufhin dann anfangen, unser Verhalten zu ändern. Wenn ich erstmal weiß, dass dieses Stück Schokolade (oder die ganze Tafel), nichts mit Hunger zu tun hat, kann ich anfangen, mir meiner wirklichen Bedürfnisse bewusst zu werden und daran arbeiten, sie ihrem eigentlichen Sinn nach, zu befriedigen. Dann muss ich keine Frustschokolade mehr in mich reinstopfen, sondern kann mir einen anderen Weg, mit meinem Frust umzugehen, suchen. Dann kann ich aber auch das Stück Schokolade aus vollem Herzen genießen, zumindest dann, wenn ich mir bewusst bin, dass Genuss jetzt mein Bedürfnis ist. Und Genuss verträgt sich nicht, mit einer hastig heruntergeschlungenen Schokoladentafel, sondern verlangt nach dem langsamen, ganz bewussten Genießen, dem vollen Auskosten des Geschmacks.

Es erfordert nur eine gehörige Portion Mut, sich diesem Wissen zu stellen, denn wer gesteht sich schon gern ein, ich bin gierig oder frustriert?

Der Veränderungsturbo Teil 1: Wer kann etwas ändern?

Ich kann es ändern

Es klingt zwar selbstverständlich, aber wenn wir die Veränderungsbremsen betrachten, zeigt sich schnell, dass es das nicht ist. Ich und nur ich kann mein Verhalten ändern. Damit erzwinge ich eine Änderung auch bei meinen Mitmenschen. Ihr Verhalten kann ich nur und ausschließlich auf diesem Weg beeinflussen.

Hör also auf, Deine Energie darauf zu verschwenden, wie sich der Rest der Welt verhalten müsste, damit es Dir besser geht und konzentriere Dich auf das, was Du dafür tun kannst.

Aber was kann ich denn tun, wenn die Lehrer langweiligen Unterricht machen?

Du kannst Dich selbst mit dem Thema beschäftigen und interessante Aspekte daran suchen. Dann wird auch der Unterricht interessanter.

Aber was kann ich denn tun, wenn die Kollegen sich fies verhalten?

Du kannst ihnen Grenzen setzen – ich gebe zu, das ist nicht einfach, wenn man es nie gelernt hat.

Aber was kann ich tun, in einer Situation, die einfach nicht lösbar ist?

Du kannst Deine Sicht darauf verändern, auch das ist nicht leicht.

Und wenn ich es selbst nicht kann?

Dann kannst Du Dir Hilfe dabei holen. Hilfe, die Dir dabei hilft, es selbst zu tun. Manchmal genügt eine Anregung von außen und hilft dabei, eine neue Sichtweise zu gewinnen. In anderen Fällen kann eine längerfristige Unterstützung durch einen Coach, einen Psychologen oder natürlich durch therapeutisches Malen hilfreich sein.

Und wie finde ich Hilfe für mein Problem?

Hier ist eine umfangreiche Auflistung von Hilfsangeboten im Bereich Familie und Soziales. Die genauen Stellen findest Du, wenn Du dann nach dem Angebot und Deinem Wohnort suchst.

Spezielle Angebote für Schwangere gibt es beispielsweise bei der Bundesstiftung für Mutter und Kind.

Wenn Du Unterstützung bei der Pflege oder Versorgung dementer Angehöriger brauchst, sind neben den örtlichen Beratungs- und Koordinierungsstellen oder den Pflegediensten auch die Alzheimer Gesellschaft ein möglicher Anlaufpunkt.

Mobbingopfer finden hier jede Menge Informationen, überwiegend zum Thema Mobbing am Arbeitsplatz, speziell zum Thema Mobbing in der Schule gibt es auch diesen Anlaufpunkt .

Bei Depressionen gibt es eine Liste an Anlaufstellen und hier wird zuoberst die Telefonseelsorge mit den bundesweiten Rufnummern aufgeführt, die aber auch für alle anderen Probleme ein guter erster Ansprechpartner ist:
Tel: 0800 – 111 0 111 (24 Std/Tag, gebührenfrei, evangelisch)
Tel: 0800 – 111 0 222 (24 Std/Tag, gebührenfrei, katholisch)
Tel: 0800 – 111 0 333 (für Kinder und Jugendliche, gebührenfrei, Mo-Fr 14:00 – 19:00)
Tel: 0800 – 111 0 550 (für Eltern, gebührenfrei, Mo/Mi: 9:00 – 11:00 Uhr, Di/Do: 17:00 – 19:00)
Zur Onlinesucht gibt es mittlerweile auch eine ganze Reihe an Hilfsangeboten.

Bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt es eine Suchmöglichkeit nach Drogenberatungsstellen und eine Seite, die sich speziell an Jugendliche richtet.

Messies (desorganisierte Menschen) finden hier eine Anlaufstelle.

Möglichkeiten, wenn Du allein nicht weiterkommst, gibt es also jede Menge, in Anspruch nehmen musst Du sie selbst.

Und das bedeutet in der Regel auch, zumindest dort anzurufen oder hinzumailen.

Wenn Du für Dein Problem keinen Anlaufpunkt findest, dann mail mich an, ich helfe bei der Suche.

Doch es gibt auch eine ganze Reihe von Veränderungen, die wir allein schaffen können, mehr dazu gibt es in den nächsten Tagen.