Nach Bettina Egger ist mit der gerichteten Tastfigur die Entwicklung der Urformen abgeschlossen. Die Urformen sind die Grundlage der visuellen Wahrnehmung und bleiben als Ausdruck des Körperempfindens erhalten.
Die weitere Malentwicklung verläuft in Richtung figurative Darstellung und Raumentwicklung, also dahin, das gesamt Blatt zu erobern.
Dabei kommen die Hirnhälften ins Spiel, denen ja allgemein nachgesagt wird, dass die linke Hälfte für Sprache und das lineare, logische Denken, die rechte dagegen für Intuition und ganzheitliche Wahrnehmung zuständig ist.
Das gut koordinierte Zusammenspiel der Beiden sorgt für eine umfassende, gut entwickelte Wahrnehmung.
In den Kinderbildern zeigen sich die beiden Arten der Wahrnehmung zunächst parallel, als „Körper-Ego-Bilder“ und „Geist-Ego-Bilder“. Beide Darstellungsarten können in einem Bild auftreten.
Die Körper-Ego Bilder als Abgesandte der rechten Hirnhälfte entstehen, indem sich das malende Kind in das hineinfühlt, was es malen möchte. So wie sein eigenes Körperempfinden ist, wenn es sich in einen Tisch „hineinprojiziert“, malt es diesen dann auch:

Körper-Ego
Die Körper-Ego-Bilder sehen zumeist so aus, als ob man etwas aus der Vogelperspektive betrachtet und plattdrückt.
Im Gegensatz dazu stehen die Geist-Ego-Bilder. Diese werden „linkshirnig“ erzeugt, durch sehen und wissen. Nach einem Denkprozess wird das Ergebnis aufs Papier gebracht.

Geist-Ego
Der Geist-Ego-Tisch kann auch in gleicher Darstellung über 4 Beine verfügen.
Körper-Ego und Geist-Ego Bilder treten gleichzeitig auf. Lässt man ein Kind lange und oft genug frei malen, so entwickelt es ein eigenes räumliches Wahrnehmungs- und Darstellungsvermögen. Das kann zum Beispiel über den folgenden Weg geschehen:

Die Verknüpfung verbindet die Elemente von Körper-Ego und Geist-Ego, die Integration schließlich ist die eigene perspektivische Darstellung.
Diese Entwicklung läuft normalerweise bis zum Alter von etwa 10 -11 Jahren ab. Leider werden Kinder häufig durch Schule oder Umfeld zu früh auf die Probleme der perspektivischen Darstellung aufmerksam gemacht und bekommen Lösungen angeboten. Diese erlernten Lösungen sind jedoch nicht wirklich verstanden.
Viel zu viele Kinder verlieren noch vor der Vollendung dieser Integration die Lust am eigenen, freien Malen und Zeichnen. Entweder verweigern sie es völlig oder sie flüchten in schablonenhaftes Abzeichnen.
Fangen sie dann im Erwachsenenalter an zu malen, sind die erlernten Regeln der Perspektive längst vergessen und das Malen beginnt auf der Entwicklungsstufe neu, auf der als Kind aufgehört wurde. Viele dieser Erwachsenen qualifizieren dann ihre eigenen Werke ab und glauben sich völlig ohne Talent.
Doch auch im Erwachsenenalter kann die Entwicklung weitergeführt werden und zum wirklich eigenen Darstellen, Gestalten und Wahrnehmen werden.
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Dieser Beitrag bestätigt mir mein jahrelanges Unverständnis, dass Bilder benotet und bewertet werden. Warum gibt es Schulnoten für das Malen bei Grundschulkindern? Bei uns in der Praxis müssen Kinder behandelt werden, die nicht ins “Schema” passen. Für die Entwicklung dieser Kinder ist das nicht gerade förderlich.
Danke fürs Einstellen!
Liebe Grüße, Ramona Völlkopf
Ramona, danke für den Kommentar.
Da geht es nicht nur Dir so, ich persönlich finde Schulnoten auf die Leistungen in Kunst, Sport und Musik reichlich unpassend, auch noch in den höheren Klassen.
Ganz speziell zum Malen in Grundschulen schreibe ich morgen mehr, das Thema beschäftigt mich schon lange.
Liebe Grüße,
Sabine