Frühjahrsputz für die Seele – ungesunde Verhaltensmuster entrümpeln – Teil 9
“Was man angefangen hat, das muss man auch fertig machen!”
“Laß nicht nach, so kommst du hoch.“
“Anfangen ist leicht, Beharren ist Kunst.“
Wer hat nicht irgendwo im Hinterkopf diese Stimme, die solche Sätze aus tiefster Überzeugung predigt?
Natürlich sind solche Sprüche auch nicht ganz grundlos, denn es gibt ja nicht wenige Schwierigkeiten durch Sprunghaftigkeit und Ausweichen.
Doch auch das Durchhalten kann Probleme verursachen, wenn es zum Durchhalten um jeden Preis wird.
Wer sich ein Ziel gesetzt hat und dieses nun stur verfolgt, läuft Gefahr, dabei einen Irrweg einzuschlagen. Wir Menschen verändern uns, durch innere oder äußere Einflüsse.
Wer diese Veränderungen nicht berücksichtigt, kommt an einen Punkt, an dem das gesetzte Ziel schon lange nicht mehr passt. Ob das nun ein Studiengang ist, der mit vielleicht ganz falschen Vorstellungen angetreten wurde oder eine Ehe, die für beide Seiten eine einzige Quälerei geworden ist, manchmal passen die gesetzten Ziele aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr.
Wie zeigt sich das beim begleiteten Malen?
Auch Bilder können ein Eigenleben entwickeln, sich durch innere und äußere Einflüsse verändern. Wer diese Veränderungen nicht zulässt oder nicht erkennt, der wird mit seinem Ergebnis oft nicht wirklich glücklich. Es wird nicht so, wie der Plan im Kopf, weist eine Menge Unstimmigkeiten auf, aber allein ist es schwer zu erkennen, worin diese liegen.
Bilder, die bis zum bitteren Ende gemalt werden, sind oft ein einziger Krampf für die Malenden.
Sie entstehen häufig aus dem Bildbeginn mit einer Farbspur, der das an die Oberfläche lässt, was uns im Unterbewussten gerade beschäftigt.
Als Malleiterin kann ich durch einen unvoreingenommenen Blick Unstimmigkeiten viel eher lokalisieren und die Malenden ermutigen, vom ursprünglichen Plan abzuweichen und sich dem Malprozess zu überlassen. Dabei kommen Impulse aus dem Unterbewusstsein auf das Papier und werden sichtbar.
Sehr oft zeigen diese Bilder, wenn sie sich entwickeln dürfen, den Malenden ihren Weg auf.
Für Außenstehende und auch für mich als Begleiterin ist dieser individuelle Lösungsansatz oft gar nicht oder nur sehr bedingt nachvollziehbar. Will sagen – ich erkenne, dass es einen Veränderungsprozess am Bild gibt und begleite diesen. Ob dieses Bild nun aber mit einer Beziehung, einem Jobproblem oder einem familiären Problem zu tun hat, muss ich gar nicht wissen, um es begleiten zu können.
Als Malender behältst Du die Kontrolle darüber, wieviel Du preisgeben möchtest.
Wann und warum sollte dieses Verhaltensmuster verändert werden?
Bis zum bitteren Ende sollte niemand gehen müssen.
Wenn ein Weg nicht mehr stimmt, muss es eine Möglichkeit geben, ihn zu reflektieren und zu korrigieren.
Wenn Dir zu einer Situation dämmert, dass sie für Dich nicht mehr passt, oder Du auch einfach ein diffuses Gefühl der Unstimmigkeit verspürst, dann kannst Du mehr Klarheit gewinnen, indem Du Dir einen Termin aussuchst – gern auch an einem Workshoptag und Dein Thema malst, bzw. ihm auf die Spur kommst.
Frühjahrsputz für die Seele – ungesunde Verhaltensmuster entrümpeln – Teil 6
Es ist ganz sicher eine gesunde Einstellung, sich den Weg in andere Optionen offenzuhalten. Ein unverstellterBlick kann helfen, neue Möglichkeiten zu entdecken und anzuwenden.
Manchmal artet das aber dahingehend aus, dass einem Problem kontinuierlich ausgewichen wird. Statt dieses – immer drängendere – Problem anzugehen, werden andere Aktivitäten angefangen, neue Probleme entdeckt, die zuerst bearbeitet werden.
Ob das nun ein Bügelwäscheberg ist oder ein Beziehungsproblem, eine unklare Teillösung in einem großen Projekt oder ein unangenehmes Telefonat, gemeinsames Merkmal ist, dass sich das Problem keinesfalls von allein erledigen wird. Und doch weichen wir aus, manövrieren drumherum und machen keine Anstalten, es wirklich zu lösen.
Wie zeigt sich das beim begleiteten Malen?
Auf dem Papier wird das gleiche Verhalten an den Tag gelegt, wie im wahren Leben.
Das Gesicht meiner Person ist mir unklar – ich male erstmal die Haare. Jetzt müsste ich am Gesicht weitermachen, aber zuerst male ich die Kleidung. Ich weiß noch immer nicht, wie das Gesicht aussehen soll, also widme ich mich der Umgebung. Die ist jetzt fertig, eigentlich ist nur noch das Gesicht zu malen. Aber nein, die Haarfarbe gefällt mir nicht, die ändere ich zuerst noch. Und die Kleidung ist auch noch nicht so, wie ich sie gern hätte, da muss noch dies und das gemacht werden…
Die Zeit verrinnt und das wesentliche – in diesem Fall das Gesicht – bleibt unfertig. Als Malleiterin ist es in solchen Fällen meine Aufgabe, auf das Ausweichen aufmerksam zu machen und gegebenenfalls die Fertigstellung einzufordern.
Zumeist sind es unangenehme Themen, vor denen wir ausweichen. Auf dem Papier kannst Du erkennen, dass es gar nicht so schlimm ist, einfach dranzugehen. Dieses Verhalten überträgt sich auf Dauer auch wieder ins wahre Leben.
Wann und warum sollte dieses Verhaltensmuster verändert werden?
Spätestens wenn Schaden durch das Ausweichen entsteht, ist es allerhöchste Eisenbahn, das Verhalten zu ändern. In extremen Fällen stecken tiefsitzende Ängste dahinter, es wird versucht, die Situation um jeden Preis zu meiden und Ausweichstrategien zu entwickeln.
Das Verhaltensmuster kann sich dahingehend steigern, dass beispielsweise Wege so ausgerichtet werden, dass kein bellender Hund oder keine Brücke auf der Strecke liegt.
Immer dann, wenn Du bemerkst, dass Dich die Ausweichstrategien unangemessen beschäftigen, solltest Du Dir überlegen, ob Du nicht dagegen angehen willst.
Du kannst Dir hier einen Termin aussuchen und Dich dann per Mail oder Telefon (06238/1027) anmelden, weich nicht aus!
Frühjahrsputz für die Seele – ungesunde Verhaltensmuster entrümpeln – Teil 4
Gutmütigkeit wird oft ausgenutzt. Wer keine Grenzen absteckt, strahlt dies schon nach außen aus und zieht dann in der Regel die Zeitgenossen an, die diese Gutmütigkeit weidlich zu ihrem Vorteil nutzen.
Der Gutmütige bleibt auf Dauer auf der Strecke.
Gerade Frauen fällt es aufgrund der traditionellen Rollenerziehung oft sehr schwer, Grenzverletzungen abzuwehren. Doch zunehmend wird es auch für Männer zum Problem, gerade im Arbeitsleben nimmt der Druck zu und die Forderungen werden immer größer.
Grenzen setzen wird da immer wichtiger, um nicht zum allzeit verfügbaren Menschenmaterial zu werden. E-Mails am Wochenende und Abends bearbeiten, Überstunden in unbegrenzter Zahl zu leisten, Urlaube zu streichen und kurzfristig anberaumte Geschäftsreisen jederzeit anzutreten, das sind nur einige Auswüchse.
Im Unterschied zum “Nicht-nein-sagen-können”-Sprachfehler neigt der grenzenlos Gutmütige auch zum vorauseilenden Gehorsam. Es wird nicht die Aufforderung, Mails am Wochenende zu bearbeiten abgewartet, sondern schon das Eintreffen der elektronischen Post als Indiz für eine solche Erwartung betrachtet.
Gerade auch im sozialen und medizinischen Bereich ist es weit verbreitet und kann sich dort besonders fatal auswirken, wenn das Abgrenzen nicht funktioniert. Wer tagaus, tagein mit schwer kranken Menschen oder schlimmen Schicksalen zu tun hat, muss die Fähigkeit entwickeln, sich davon innerlich abzugrenzen.
Und auch in der Familie ist es fast schon an der Tagesordnung, dass Grenzen überschritten werden, die Anliegen, speziell der Mütter, übergangen werden.
Wie zeigt sich das beim begleiteten Malen?
Beim begleiteten Malen wird dieses Problem ganz offensichtlich – wer es im Leben nicht schafft, klare Grenzen zu ziehen, tut dies auch auf dem Papier nicht.
Wenn Bilder auffällig von Farbverläufen und verwischenden Konturen geprägt sind, dann ist dies ein Indiz dafür, dass der Malende Probleme damit haben könnte, sich abzugrenzen. Auf dem Papier lässt sich das abgrenzen sehr gut einüben – das hier erlernte, neue Verhalten wirkt dann auf den Alltag zurück.
Wann und warum sollte dieses Verhaltensmuster verändert werden?
Immer dann, wenn Du selbst anfängst darunter zu leiden, dass Dich das Schicksal anderer schwer mit nimmt, solltest Du darüber nachdenken, wie Du Dich besser abgrenzen kannst, um Dich selbst zu schützen. Das bedeutet ja nicht, vollkommen kaltschnäuzig und emotionslos zu werden.
Auch wenn Du das Gefühl hast, mit Deinen Anliegen zu kurz zu kommen, vor lauter unausgesprochener Forderungen an Dich, ist die bessere Abgrenzung dringend nötig.
Gerade dieses Verhaltensmuster macht in starker Ausprägung sehr anfällig für Burnout und Depression.
Das willst Du nicht?
Dann schaufle Dir ein Plätzchen in Deinem Terminkalender frei und melde dich gleich an!
Einfach nur ein Anmelde-Mail schreiben, der Rest geht wie von selbst.
Kennt ihr die Geschichte um Pawlows Hund?
Sie ist ein sicher ganz extremes Beispiel dafür, wie Verhaltensmuster ‘erlernt’ werden, denn kein normaler Hund käme auf die Idee, zu sabbern, wenn Herrchen mit einem Glöckchen bimmelt. Es sei denn, er hat es gelernt, etwas damit zu verbinden…
Am Montag geht es dann hier weiter mit unserem Frühjahrsputz für die Seele, doch zuvor wird Euch morgen das Keerlchen eine neue kostenlose E-Card präsentieren.
Frühjahrsputz für die Seele – ungesunde Verhaltensmuster entrümpeln – Teil 3
“Du hast ‘nen Sprachfehler, Du kannst nicht Nein sagen”
Es ist schon einige Jahre her, dass eine Bekannte dies erzählte. Ein Kollege sprach sie so an und signalisierte ihr damit, dass sie ihre Arbeitshaltung überdenken muss.
Niemand lehnt gern ein begründetes Anliegen ab. Doch gerade in Beruf oder Familie werden oft so viele Anliegen an Dich herangetragen, dass es eigentlich zu viel wird.
Auch Dein Tag hat nur 24 Stunden….und nicht alle diese Anliegen sind wirklich berechtigt oder notwendig.
Wenn Du es nicht schaffst, einen Teil der Anfragen abzulehnen, dann führt das zu einer hoffnungslosenÜberlastung und auf Dauer in den Burnout.
Es erfordert Mut und oft auch diplomatisches Geschick ‘Nein’ zu sagen. Aber Du wirst staunen, wenn Du es erstmal versuchst – es zieht keine fristlose Kündigung nach sich, wenn Du freundlich aber bestimmt erklärst, dass diese Aufgabe nicht in Deinen Zuständigkeitsbereich fällt oder nicht in Deinen Zeitplan passt. Und auch die langen Gesichter in der Familie bleiben nicht auf Dauer lang, wenn Du erklärst, dass Du nicht für diese ‘Mamataxifahrt’ oder jenen ‘Omabotengang’ zur Verfügung stehen kannst.
Wie zeigt sich das beim begleiteten Malen?
Nicht-Nein-sagen-können, das zeigt sich beim begleiteten Malen erst nach einiger Zeit. Es wird auch nicht so offensichtlich deutlich, wie andere Verhaltensmuster. Als Gesamteindruck wird es aber nach einigen Bildern erkennbar, wenn Malende beispielsweise sofort und bereitwillig auf Vorschläge eingehen, auch wenn diese eigentlich ihrer ursprünglichen Intention zuwiderlaufen.
Dadurch, dass die Malenden aber in der Regel für ihr Bild selbst verantwortlich bleiben, wird auf dem indirekten Weg das Nein-Sagen trainiert. Sie gewinnen Zutrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und können diese dann auf Dauer auch selbstbewusst vertreten. Zudem tritt das Verhaltensmuster Nicht-Nein-Sagen-Können auch nie allein auf, es gibt immer begleitende Muster, wie beispielsweise die Schwierigkeit Grenzen zu setzen. Dieses wird im Malen sehr offensichtlich und lässt sich gut bearbeiten – das wirkt dann auch auf das Nein-Sagen zurück.
Wann und warum sollte dieses Verhaltensmuster verändert werden?
Der Terminkalender platzt aus allen Nähten, Du fängst schon an, Dich in ‘Notlügen‘ und Ausreden zu verstricken?
Allerhöchste Zeit für ein bisschen ‘Sprachtraining’!
Gerade wenn sich ein Gefühl der Überforderung breit macht, wird es sinnvoll, diesen Punkt anzugehen, je früher je besser.
Denn dieses Verhaltensmuster führt, wenn es zum Dauerbegleiter wird, auf dem sicheren Weg in den Burnout.
Wer sich immer mehr aufdrücken lässt, der implodiert irgendwann!
Soweit willst Du es nicht kommen lassen?
Dann such’ Dir schnell einen Termin aus und melde Dich an! Einfach nur ein Anmelde-Mail schreiben, der Rest geht wie von selbst.
Frühjahrsputz für die Seele – ungesunde Verhaltensmuster entrümpeln – Teil 2
Ja, mach nur einen Plan
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch ‘nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.
(Bert Brecht, Dreigroschenoper)
Ist es negativ etwas zu planen? Ganz sicher nicht.
Negativ oder ungesund kann es aber dann werden, wenn die Fähigkeit, auf Unvorhergesehenes zu reagieren, darüber verloren geht. Oder wenn vor lauter Planen die Umsetzung auf der Strecke bleibt, weil das Planen so viel Zeit beansprucht.
Wie zeigt sich das beim begleiteten Malen?
Beim Malen zeigt sich dieses Verhaltensmuster sehr schnell und deutlich – als Begleiterin merke ich, wie der Malende versucht, das ganze Bild im Kopf durchzustylen und dann auf das Papier zu bannen.
Das, was im künstlerischen Malen oftmals das eigentliche Ziel ist, nämlich Bilder, die im Kopf schon vorliegen, auf ein Trägermaterial zu bannen, funktioniert beim begleiteten Malen nicht.
Hier gibt es keine Konturen, die vorgezeichnet werden, sondern jedes Bildelement entsteht aus sich heraus. Dabei bleibt die sorgsame Komposition zwangsläufig auf der Strecke, es muss spontan auf das bereits gemalte reagiert werden, weil sich ein Gefühl der Unstimmigkeit einstellt.
Das Bild entwickelt ein Eigenleben, manchmal zum Leidwesen der Malenden. Gleichzeitig entwickeln die Malenden aber ein Gespür für Stimmigkeit und merken, dass sich ein Bild, das von der ursprünglichen Kopfidee abweicht, viel besser und stimmiger anfühlt.
Pläne werden am Bild verworfen, bis nach einigen Bildern dann keine Pläne mehr gemacht werden, sondern es gelingt, sich auf das einzulassen, was gerade aus dem Inneren aufs Papier drängt.
Wann und warum sollte dieses Verhaltensmuster verändert werden?
Das Planen an sich ist grundsätzlich nichts Schlechtes.
Wenn es Dir jedoch schwer fällt, auf Unvorhergesehenes zu reagieren, wenn Dich schon kleine Abweichungen von der Planung aus dem Konzept bringen oder auch wenn Du das Gefühl hast zu sehr verplant zu sein und ‘gelebt zu werden’, dann sollte ein Ausgleich in Form von mehr Spontanität Einzug halten.
Zeitplanungsexperten empfehlen zwischen 40 und 50 Prozent der verfügbaren Zeit für Unvorhergesehenes zu reservieren – ein sicherer Hinweis darauf, dass nicht alles im Leben nach Plan verläuft.
Na, wie sieht’s aus?
Entscheidest Du Dich ganz spontan, gleich jetzt einen Termin auszusuchen und Dich anzumelden? Anmelde-Mail
Frühjahrsputz für die Seele – ungesunde Verhaltensmuster entrümpeln – Teil 1
Ist erstmal ein bisschen Farbe auf dem Papier, geht der Rest wie von selbst
Gleich zu Beginn dieser neuen Artikelserie, möchte ich mich einem Verhaltensmuster widmen, das – im Übermaß – ziemlich ungesund werden kann. Warum am Anfang?
Weil es genau darum geht:
den Anfang nicht finden.
Kennst Du das von Mitmenschen oder auch Dir selbst?
Zögern, zaudern, überlegen – wenn erst der Anfang mal gemacht ist, dann geht es wie von selbst. Aber bis er mal gemacht ist….
Sicherlich wird jeder gelegentlich in dieser Situation sein, den Anfang nicht zu finden. Aber bei manchen Menschen wird daraus ein Verhaltensmuster, ein Verhalten, das in bestimmten Situationen regelmäßig zu beobachten ist. Womit jetzt auch der Begriff Verhaltensmuster definiert ist, die Regelmäßigkeit ist das entscheidende Kriterium.
In der Kunsttherapie im Allgemeinen und im begleiteten Malen im Besonderen, werden solche Verhaltensmuster auf Dauer deutlich und können durch Gesündere ersetzt werden.
Gerade dieses “den Anfang nicht finden” kann sich unter Umständen bereits beim ersten Bild bemerkbar machen. Es ist ziemlich normal, dass beim ersten Bild der Anfang länger dauert, die Situation ist doch recht ungewohnt und oft weiß der Malende noch gar nicht so recht, was er denn eigentlich malen soll und will.
Manchmal gibt es aber Malende, die besonders starke Schwierigkeiten mit dem Anfang haben. In solchen Fällen frage ich nach, ob sie ein Mensch sind, dem es schwerfällt, einen Anfang zu machen. Bisher hat sich mein erster Eindruck eigentlich jedesmal bestätigt.
Es gibt dann unterschiedliche Möglichkeiten daran zu arbeiten – ein Bild kann beispielsweise aus einer Farbspur entstehen, bei der Farbe aufs Blatt gebracht und dem ersten Impuls gefolgt wird. Das, was der Malende darin erkennt, wird ausgearbeitet, mag es noch so trivial oder absurd erscheinen. Welche Möglichkeit passend ist, muss in der Situation und unter Berücksichtigung der Gesamtpersönlichkeit entschieden werden. Die zeigt sich jedoch in der Regel erst nach einigen Bildern. Verhaltensmuster zu verändern dauert auch einige Zeit und zieht sich über mehrere Bilder hinweg.
Wann und warum sollte dieses Verhaltensmuster verändert werden?
Wie ich es oben schon geschrieben habe, steckt sicherlich jeder irgendwann mal in einer Situation, in der es ihm schwer fällt, einen Anfang zu finden. Wenn sich solche Situationen häufen und Du das Gefühl hast, auf der Stelle zu treten, kann es erleichternd sein, daran etwas zu verändern.
Na los, fang an! Such Dir einen Termin aus und melde Dich an! Ein Mailoder Anruf genügt!
Wut ist ein sehr starkes Gefühl, eins, das uns abschreckt, verängstigt.
Und doch ist Wut auch ein sehr wichtiges Gefühl.
Wut kann es uns ermöglichen, Grenzen zu setzen - bis hierher und keinen Schritt weiter, eben ist genug!!!
Dieser positive Aspekt der Wut wird im Allgemeinen nicht gesehen – zu groß ist der Schaden, den unkontrollierte Wut anrichten kann.
Wer kennt ihn nicht, den Wüterich, der mit hochrotem Kopf, aufgeblasenen Backen und geballten Fäusten da steht.
Nein – der passt nicht in unser Selbstkonzept vom vernünftigen, friedlichen Menschen. Den wollen wir nicht in uns tragen.
So wird die Wut unterdrückt. Weil wir uns nicht trauen “vor Wut zu schnauben”, haben wir die “Wut im Bauch”.
Ab dem Kleinkindalter wird uns beigebracht, diese Wut zu unterdrücken, zumeist sehr erfolgreich
Würden wir stattdessen lernen, diese Wut bewusst wahrzunehmen und positiv einzusetzen, wäre unser Leben sicher viel leichter. Doch es ist nie zu spät, auch im Erwachsenenalter ist es noch möglich, mit diesen Gefühlen wieder in Kontakt zu kommen und sie konstruktiv zu äußern.
Wenn sie wahrgenommen und geäußert werden darf, dann kann uns die Wut helfen, rechtzeitig Grenzen zu setzen und nicht erst dann, wenn eigentlich schon alles zu spät ist.
Wut lässt sich auch kreativ erarbeiten – Ton ist dafür ein ideales Material. In meinen Kinderworkshops biete ich spielerisches Arbeiten mit Ton an – dabei hat auch die Wut einen Raum.
Und wenn ich beim Malen bemerke, dass eins der Kinder Wut in sich trägt, dann darf es ein Bild mit den Händen malen. Der direkte Kontakt mit den Farben und dem Papier lässt dieses Gefühl viel stärker zum Vorschein kommen. Gern kommen dabei dann auch die Fingernägel zum Einsatz, mit denen in die aufgetragene Farbschicht geritzt werden kann. Da werden die Fingernägel im Kopf des Kindes auch gern mal zu Katzentatzen, die dem Papier einen Hieb versetzen.
Das wirkt so befreiend und hinterlässt nur ein bisschen Farbe unter den Fingernägeln als Folge.
Zum Jahresbeginn in aller Munde – und jetzt? Schon vergessen und begraben? Auf der Liste für das nächste Jahr? Oder immer noch konsequent umgesetzt?
Wie sieht es bei Dir aus? Konntest Du Deine guten Vorsätze umsetzen?
Eine holländische Studie hat erforscht, warum gute Vorsätze so oft scheitern und ist zu dem Schluß gekommen, dass die Überzeugung einer Versuchung widerstehen zu können umso größer ist, je kürzer die Befriedigung der Versuchung zurückliegt. Wenn also die Chipskrümel noch zwischen den Zähnen hängen, sind wir uns ganz sicher, dass uns die nächste Chipstüte gar nicht reizt. Einen Abend später sieht das schon wieder ganz anders aus. Oder nicht?
Die Forscher kamen weiterhin zu der Erkenntnis, dass gerade diejenigen, die sehr davon überzeugt waren, dass sie ihre Verlockungen unter Kontrolle halten können, am meisten davon abwichen und rückfällig wurden. Selbstüberschätzung bewirkt also das Gegenteil des Erwünschten. “Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung” sagt schon der Volksmund und dürfte damit durchaus Recht haben.
Ich selbst habe, neben dieser realistischen Selbsteinschätzung, auch sehr gute Erfahrungen mit Bildern gemacht. Nicht nur mit solchen, die ich begleitet habe, sondern auch mit denen, die ich selbst so gemalt habe.
Der Weg in die zufriedene Abstinenz – bedeutet das letztendlich, für alle Situationen, in denen zuvor der Alkohol eine Rolle gespielt hat, neue Wege zu finden?
Es bedeutet zunächst einmal, eine Entscheidung zu treffen, nämlich die Entscheidung abstinent leben zu wollen. Damit ändert man die Blickrichtung von ‚ich will nicht mehr trinken’ hin zu ‚ich will zufrieden abstinent leben’
Wenn ich also diese Entscheidung getroffen habe, dann steht mir das ‚Lösungsmittel’ Alkohol in all den Problemsituationen nicht mehr zur Verfügung. Sich nach Stresssituationen abends gemütlich mit einem Glas Rotwein zu entspannen, taugt für einen Alkoholiker nicht als Entspannungsmethode. Sich mal eben etwas Mut anzutrinken, bevor man beispielsweise eine Frau zum Tanzen auffordert, ist ebenfalls nicht angesagt. Das Gefühl, sich ausgegrenzt zu fühlen, weil man auf Partys keinen Alkohol trinkt, kann man nicht einfach mal so wieder wegsaufen. Wenn die Entscheidung zur Abstinenz wirklich getroffen wurde, steht die Krücke Alkohol nicht mehr zur Verfügung. Und dann ist es tatsächlich so als würde man das Laufen neu lernen.
Aus diesem Grund halte ich auch Selbsthilfegruppen für wichtig. Denn dort sitzen trockene Alkoholiker, die bereits laufen können. Sie sind der lebende Beweis dafür, dass ein Leben ohne Alkohol möglich und erstrebenswert ist.
Nun sage ich in meinem Ratgeber „Quo vadis, Alki?“ nicht, was man nun in der einen oder anderen Problemsituationen tun soll anstatt zu trinken. Denn es geht ja um Wege in eine „zufriedene“ Abstinenz, nicht um Trinkalternativen.
Zufriedene Abstinenz ist kein fertiges Produkt, kein Ideal, das am Ende eines langen, schwierigen Weges steht. Man kann sie nicht suchen, um sie letztendlich zu finden. Man muss sie entdecken, für sich ganz persönlich. Das heißt, man wird nicht irgendwann an einem Zielpunkt ankommen, den man dann „zufriedene Abstinenz“ nennt und den man nur zu halten braucht.
Zufriedene Abstinenz gleicht einer Entdeckungsreise, einer langen Fahrt und der Sinn dieser Fahrt ist die Reise selbst. Dabei kann man auch schon einmal in einen Stau geraten. Es gilt aber, sich auf dieser Fahrt selbst immer besser kennen und verstehen zu lernen und dabei mehr und mehr zu entdecken, was für einen ganz persönlich Zufriedenheit bedeutet.
Je mehr wir entdecken, was in unserem Leben Zufriedenheit, Wohlgefühl, Lebensfreude und positive Lebenseinstellung beinhaltet, um so mehr können wir bewusst und durch eigenverantwortliches Handeln dafür sorgen, diese Zustände herbeizuführen und zu steuern. Mit diesem Entdeckungsprozess erschaffen wir unser eigenes Wohlfühlland und gewinnen an Lebensqualität. Das gilt nicht nur für Alkoholiker.
Wir selbst steuern unsere Reise aufgrund ganz persönlicher Erfahrungen. Und so mag das, was mich zufrieden macht, nicht unbedingt jemand anders auch zufrieden stellen. Zwei trocken Alkoholiker können also für sich jeder einen anderen Weg in die zufriedene Abstinenz finden. Aber beiden ist die Entscheidung gemeinsam, zufrieden ohne Alkohol leben zu wollen.
Um dies leben zu können, muss sich wiederum jeder für sich in den unterschiedlichsten Lebenssituationen immer wieder fragen, ob das, was er gerade lebt, im Einklang mit seiner Entscheidung steht. Und er muss für sich natürlich heraus finden, was für ihn ganz individuell Zufriedenheit bedeutet, damit er überprüfen kann ‚fühlt sich so Glück an?’
Darin gibt mein Ratgeber etwas Hilfestellung.
Welche Rolle hat Kreativität dabei für Dich gespielt?
Nun, während meiner nassen Zeit, musste ich immer wieder Wege finden, um mich am Stoff zu halten. Neue Lügen, neue Ausreden und vieles mehr. Wissenschaftlich gesehen war ich also ‚kreativ’, denn ich hatte mir mit fortschreitender Alkoholerkrankung die „ Fähigkeit erworben, neue Problemstellungen durch die Anwendung dieser Fähigkeiten zu lösen:“ Allerdings war das sehr kontraproduktiv und hat mit der Kreativität wie ich sie als trockener Alkoholiker und Künstler verstehe, nicht viel gemeinsam.
Natürlich erwirbt man mit zunehmender Abstinenz auch neue Fähigkeiten mit den unterschiedlichsten Problemstelllungen umzugehen, ohne auf Alkohol zurückgreifen zu müssen. Das ist aber ein Entwicklungsprozess, ein Produkt der Abstinenz.
In meinem Wohnzimmer hängen Bilder an der Wand, die ich selbst gemalt habe. Die hängen nicht einfach da, weil ich nun eine Möglichkeit gefunden habe, meine Wände selbst zu schmücken. Jedes Bild, jedes abstrakt gemalt, spiegelt auch einen ganz bestimmten Aspekt meiner Persönlichkeit zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt wieder. Mit jedem Bild habe ich etwas aus mir „herausgedrückt“, was in mir war und mich damit eben „ausgedrückt“. Auf den ersten Blick vielleicht eine kleine Wortspielerei. Näher betrachtet ist es aber genau das, was ich während meiner nassen Zeit nicht konnte: das, was in mir war, auch auszudrücken.
Mein Kopf war oft voll mit „mentalem Ballast“, mit einem Gedankengewitter, mit Selbstvorwürfen, Selbstverurteilungen, mit Tausenden von „wenn“ und „aber“, die Gedanken drehten sich wie in einem Hamsterrad. Gute Vorsätze hatte ich Tausende. Nichts davon konnte ich umsetzen, denn alle Vorsätze waren Teil dieses Hamsterrades, Gedanken, die sich abwechselten. Ruhe bekam ich nur, wenn ich das alles wegsoff, mir das Gehirn zu ballerte.
Und jetzt komme ich zu dem kreativen Prozess! – Alles, was einen Menschen dazu befähigt, vom Denken ins Handeln zu kommen, bezeichne ich als einen kreativen Prozess, der lebendig macht. Man ist nicht mehr passiv seinen Gedankenströmen ausgeliefert, sondern hält das Hamsterrad an. Das Anhalten führt ins Jetzt, in den gegenwärtigen Augenblick und damit in die Handlungsfähigkeit. Welche neuen Handlungsweisen man nun anwendet, anstatt in gewohnte Muster zurück zu fallen, ist eine Frage des kreativen Prozesses, den man bevorzugt. Das kann das Schreiben, das Malen, das Singen oder jede andere Aktion sein. Die Betonung liegt auf „Aktion“, nicht auf „denken“.
In „Quo vadis, Alki?“ beschreibe ich die Methode “Gedanken heraus schreiben“, eine sehr wirksame Methode, sich mentalen Ballasts zu entledigen, durch das Niederschreiben von Gedanken in wenigen Minuten.
Man nimmt dazu einen Stift, ein Blatt Papier, konzentriert sich auf seinen Gedankenstrom und schreibt schnell und ohne zu überlegen auf, was man im gegenwärtigen Augenblick gerade denkt, welche verschiedenartige Gedanken durch den Kopf rasen. Das darf gerne vollkommen zusammenhanglos sein. Man braucht keine gut formulierten Sätze, es genügen Stichworte. Wichtig ist, schnell zu schreiben, damit man nicht im Denken verharrt. Damit „entleert“ man seinen Kopf, indem man seinen inneren Gedankenstrom allein durch die Motorik des Schreibens, durch die Bewegung ins Außen bringt. Das entstresst und bringt oft auch ganz gute Textkreationen hervor.
Vielen Dank für die aufschlussreichen und interessanten Antworten.
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