Der Trauer Raum geben

Das Gefühl der Trauer hat wahrscheinlich jeder von uns schon in irgendeiner Form erlebt. Und nicht wenige dürften auch Aussagen wie ’nun muss aber mal gut sein‘ oder ‚das Leben geht weiter‘ gehört haben. Doch jeder verarbeitet Trauer anders. Gerade in unserem Kulturkreis wird Trauer gern unterdrückt, schon nach kurzer Zeit als ‚ungehörig‘ empfunden. Noch vor einigen Jahrzehnten war auch hier das Trauerjahr ganz selbstverständlich, mittlerweile soll möglichst schnell wieder alles gut sein.

requiem
Trauer im Bild verarbeitet

Aber Gefühle lassen sich nicht einfach abschalten. Auch wenn sie unterdrückt werden, gären sie dicht unter der Oberfläche weiter, lassen uns ein Stück Lebenslust verlieren oder äußern sich in körperlichen Symptomen.

Der Malraum, mit seiner Geborgenheit, bietet auch der Trauer Raum. Ob nun bewusste Trauerarbeit geleistet wird, oder im ganz normalen begleiteten Malen die unverarbeitete Trauer an die Oberfläche kommt, Bilder helfen dabei, dieses Gefühl anzunehmen und die Situation zu verarbeiten.

Ein paar meiner eigenen Erfahrungen damit habe ich hier und hier beschrieben.

Auch diese Bilder sind wieder so unterschiedlich wie die Malenden selbst. Doch eines ist allen gemeinsam – wenn sie aufs Papier dürfen, sind sie heilsam und hilfreich.

Schnupper-Malen

farbspuren3Jetzt hast du schon so viel hier gelesen und möchtest das eigentlich gern mal selbst ausprobieren?

Du schreckst aber davor zurück, Dich gleich auf 5 oder gar 10 Termine einzulassen?

Das ist gar kein Problem, mail mich einfach an und wir finden einen Termin, an dem Du zum Malen  kommen kannst, ohne Dich gleich für längere Zeit festzulegen.

Das Schnuppermalen umfasst eine volle Maleinheit und wird, wenn möglich, in die normalen Maltermine integriert. Es kostet für Erwachsene 25 Euro, für Kinder und Jugendliche 9 Euro und für kleine Kinder (4 bis 5 Jahre) 5 Euro.

Gerne beantworte ich Deine Fragen in einem kostenlosen Kennenlerngespräch.

Ich freue mich darauf, Dich kennenzulernen.

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose

Immer wieder wenn ich über das begleitete Malen erzähle, werde ich mit Vorstellungen davon, wie Kunsttherapie sein müsse, konfrontiert. Nun gibt es in der Tat recht unterschiedliche Richtungen in der Kunsttherapie, einige setzen sehr stark auf Symbolismen und Farbpsychologie. Ich selbst kann nur für das begleitete Malen nach Bettina Egger sprechen, deshalb beziehen sich alle nachfolgenden Erläuterungen ausschließlich darauf.

Die Bedeutung der Farben:
farben
Im begleiteten Malen wird den einzelnen Farben keine symbolische Bedeutung beigemessen. Die Farben werden in den Bildern so verwendet, wie sie in der Wirklichkeit auftreten. Schwarz ist Schwarz, weil damit irgendetwas Dunkles gemalt wird und nicht Symbol für depressive Gedanken. Es kann ein Bild in der Nacht spielen, dann ist der Himmel Schwarz oder Dunkelblau, weil Nacht ist. Das muss nicht bedrohlich sein. Rot ist Rot, die Farbe einer roten Blume oder eines roten Pullovers, kein Symbol für Aggressivität.

Die Bedeutung der Motive:

Im begleiteten Malen werden Metaphern gemalt. Metaphern erzählen eine Geschichte, die für den Malenden eine ganz individuelle Bedeutung hat. Diese Geschichte ist sehr persönlich und berührend und bewirkt dadurch eine Veränderung. Die Bilder werden gegenständlich, realistisch gemalt. Will der Malende beispielsweise Kraft schöpfen, so kann eine Situation gemalt werden, in der das Gefühl „ganz viel Kraft haben“ da war.

Nicht immer ganz einfach von den Metaphern abzugrenzen sind Symbole. Symbole sind allgemein anerkannte Darstellungen, z.B. ein Herz als Symbol für Liebe. Symbole zu malen ist, nach Bettina Egger, wirkungslos, weil uns ein Symbol nicht wirklich berührt. Symbole können jedoch im Lauf des Malens zu Metaphern werden, wenn beispielsweise das Herz ein konkreter Gegenstand wird, ein Sofakissen in Herzform oder ein Anhänger. Gibt es dazu dann noch eine Geschichte, kann das Bild wirken.

Auch hier wird immer wieder deutlich, wie stark es doch allgemein akzeptierte Vorstellungen gibt, was etwas zu bedeuten habe. Im begleiteten Malen wird diese symbolische Bedeutung ganz bewusst in Frage gestellt und zu einem neuen, tiefergehenden Sinn geführt.

Eine Mauer ist eine Mauer!

Bei meinem Kollegen Raimund von Schwangerschaftserlebnis-Blog fand ich einen Artikel, in dem er eine Erfahrung mit Malen beschreibt. Ich stelle mir jetzt vor, ein solches Bild zu begleiten und daran zu erläutern, was es genau bedeutet, ein Bild zu klären.

‚Die Zeichenstifte ließen eine Mauer auf dem Papier entstehen, und davor ein Baum. Es gab noch ein paar Luftballons und fertig.‘

Hier setzt die Klärung an – ist das Bild so wirklich fertig? Was für eine Mauer ist das? Gehört die zu einem Gebäude? Ist es eine Gartenmauer? Hast Du sowas schonmal in echt gesehen? Und was hat es mit den Luftballons auf sich? Wo kommen die her? Gibt es dazu eine Geschichte? Möchtest Du mir die erzählen?

Sehr wahrscheinlich nimmt dieses Bild ab hier schon einen ganz anderen Verlauf, aber ich nehme jetzt mal die ursprüngliche Aussage:

‚ Natürlich war mir sofort klar, dass diese Mauer ein Hindernis in meinem Leben darstellen sollte und dass ich unbedingt und sofort drüber weg musste.‘

Mauer
Eine Mauer ist eine Mauer!

Die Mauer wird als Symbol für ein Hindernis betrachtet. Wir sind es gewohnt Darstellungen symbolisch anzuschauen. Im begleiteten Malen ist eine Mauer eine Mauer. Alle Möglichkeiten sind offen. Begibt sich mein Malender auf diese symbolische Ebene, ist es meine Aufgabe, ihn an das Bild zurückzuholen, weg von der als allgemeingültig betrachteten Interpretation ‚Hindernis‘. Dabei handelt es sich um das, was die Gestalttherapie als ‚Introjektion‘ bezeichnet, das ungeprüfte Übernehmen von Normen und Vorstellungen. Am nächsten Morgen kommt Raimund zu genau dieser Erkenntnis:

‚Beide Gedanken waren für mich völlig überraschend. Und sehr interessant! Klar, das Bild zeigte einfach eine Mauer. Wieso hatte ich sofort die Idee, über sie hinweg zu kommen? Ist es nicht erstaunlich, wie leicht man einer Annahme folgt ohne zu überprüfen, ob sie überhaupt stimmt? Ich hatte angenommen, dass diese Mauer ein Hindernis symbolisierte – ja, und warum nicht. Aber warum sollte es ein Hindernis sein, das vor mir lag und nicht eines, das ich endlich hinter mir hatte?
Als ich am nächsten morgen aufwachte, hatte ich sofort und als allererstes zwei Gedanken, die glasklar vor mir standen:
1. Jede Mauer hat irgendwo ein Tor – warum also gehst du da nicht entlang bis du dieses Tor gefunden hast?
2. Wer sagt, dass du da rein willst? Vielleicht warst du endlich draußen?‘

Wäre dieses Malen begleitet gewesen, wäre genau das schon viel früher, in der Arbeit am Bild eingetreten. Welche Geschichte uns die Mauer dann wohl noch erzählt hätte?

Atelierregeln für Erwachsene

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Auch für Erwachsene gelten im begleiteten Malen Regeln. Diese betreffen aber mehr das Malen selbst, wie wird das Bild gestaltet, was ist zu beachten.

Selbstverständlich gilt auch bei den Erwachsenen, dass die Bilder der anderen nicht bewertet werden.

Erwachsene dürfen auf Wunsch mit den Fingern malen, dadurch entsteht ein größerer Kontakt zum Bild.

Die wichtigsten Regeln:

Deckend Malen

(Dadurch werden Zufallseffekte ausgeschlossen und das größte Maß an Selbstbestimmung ist möglich)

Das ganze Papier wird mit Farbe bedeckt

(Das Papier ist nur der Bildträger, kein Bestandteil des Bildes – in der Natur gibt es auch keine Löcher.)

Gestalte von innen nach außen, ohne Konturen vorzuzeichnen

Gestalte auch die Umgebung auf deinem Bild

Und als allerwichtigstes:

Das Bild muss werden, was es werden will!

Atelierregeln für Kinder

Beim begleiteten Malen gibt es für Kinder einige Regeln, die zu beachten sind. Sie erleichtern das Miteinander und stellen sicher, dass das Material sorgsam behandelt wird.

  • Du darfst malen, was du willst und wie Du kannst!
  • Niemand bewertet die anderen Bilder!kindermalen
  • Zu jeder Farbe gehören 2 Pinsel und ein Wassernapf. Ist eine andere Farbe an den Pinsel gekommen, wird er erst im Wasser gewaschen, bevor er wieder in die Farbe darf.
  • Streiche mit dem Pinsel behutsam übers Papier, die Farbe ist in den Haaren und nicht am Stiel!
  • Wenn Du wütend bist, kann der Pinsel nichts dafür – sag es mir, wir finden eine Lösung!
  • Andere Kinder werden nicht mit Farbe bespritzt oder angemalt!
  • Es darf nicht zu laut sein!

Auch wenn die Kinder frei malen dürfen, also ohne Themenvorgabe, gelten für sie im Atelier doch einige Regeln. Kinder malen normalerweise mit dem Pinsel, im Gegensatz zu den Erwachsenen, bei denen malen mit den Händen erwünscht ist.

Jede Farbe hat eigene Pinsel, damit sich die Farben nicht miteinander zu einem schmutzigen Braun vermischen. Die Farben kommen so in voller Leuchtkraft aufs Papier. Der Pinsel wird nur im Wasser gereinigt, wenn er auf dem Bild eine andere Farbe abbekommen hat.

Die Kinder geniessen das Malen mit den Flüssigfarben und den weichen Pinseln, die trotzdem eine klar ausgeformte Spitze haben sehr. Immer wieder stellen sie begeistert fest, dass es ganz anders ist als das Wasserfarben malen in der Schule.

Am Anfang fällt es ihnen noch schwer, die Bilder der Anderen nicht zu bewerten. Doch schon nach kurzer Zeit wissen sie diese Regel zu schätzen. Sie können sich ihren eigenen Themen widmen und erfahren Wertschätzung. Ganz unabhängig vom begleiteten Malen lässt sich diese Regel überall dort einsetzen, wo Kinder frei malen können – in der Familie, einer Gruppe oder in der offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Wie läuft das begleitete Malen im Atelier ab?

Normalerweise wird in Gruppen von 5-8 Personen gemalt, ich begleite die ganze Gruppe als Malleiterin . Meine Aufgabe ist es dabei, Dir genau dann Hilfe zu geben, wenn es nötig ist.

Das geschieht auf mehreren Ebenen.

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Welche Farbe ist die Passende?

Zum einen auf einer eher technischen Ebene, also alles was direkt mit den Materialien zu tun hat. Da wären zuerst zu klären, ob Du im Hoch- oder Querformat malen möchtest, mit Pinsel oder den Fingern, mit welchen Farben. Wenn Du zum ersten Mal so malst, gebe ich Dir auch eine kurze Einweisung, was ist wo zu finden, wie geht das vor sich. Auch später findet immer wieder Kontakt auf dieser Ebene statt, ich gebe Dir, falls erforderlich, technische Hinweise, überwache den Zeitrahmen, fordere Dich gelegentlich auf, mal ein paar Schritte zurückzutreten und das Bild aus der Distanz zu betrachten.


Die nächste Ebene ist auf den Malprozess bezogen. Hier gebe ich Dir, falls nötig, Hilfe beim Finden und Klären des Themas. Ich äußere meine eigenen Wahrnehmungen zum Bild und zeige Dir meine Anwesenheit durch Blick- und ggf. Körperkontakt. Niemals werde ich aber Dein Bild werten oder interpretieren. Ich werde manchmal meine eigenen Gefühle und Eindrücke wiedergeben, z.B. „Das macht mich richtig fröhlich!“ oder „Das wirkt auf mich traurig/bedrohlich/…“, aber keinesfalls Kommentare in der Art „was malst du denn da für fürchterliche Sachen“ abgeben. Ich werde Dich auch nach Deinen Gefühlen fragen, was Du empfindest, beim Malen und Anschauen Deines Bildes.

Auf einer dritten Ebene zeigst Du mir beim Malen Deine üblichen Verhaltensmuster. Ich kann Dir durch Nachfragen und Hinweise helfen neue Verhaltensmuster auszuprobieren.

Begleitetes Malen, was ist das eigentlich?

Das Begleitete Malen ist eine Form der Kunsttherapie oder auch eine Methode zur Persönlichkeitsentwicklung. Es wurde von der Schweizerin Bettina Egger begründet, als eine Weiterentwicklung des Ausdrucksmalens nach Arno Stern.

Wie geht das vor sich?

Gemalt wird in einem Atelier als eine Art Schutzraum. Der Raum ist fensterlos,  damit es möglichst keine Ablenkung von außen gibt. Das Papier wird an den Wänden aufgehängt, in der Mitte des Raums stehen Palettentische.

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Das Bild wird zum Gegenüber

Es wird mit Gouache- oder Temperafarben gemalt, entweder mit Pinseln oder mit den Fingern. Das Bild wird in der Mitte begonnen und flächig nach außen gemalt, es werden keine Konturen oder Begrenzungen vorgegeben, das Motiv entwickelt sich beim Malen.

Das Motiv?

Es werden Metaphern gemalt in realistischer, gegenständlicher Darstellung.

Das Malen findet in einer Gruppe statt, begleitet von der Malleiterin (Therapeutin).

Im Mittelpunkt steht die Arbeit am Bild. Das Bild wird nicht interpretiert, sondern bleibt stehen, wie es ist.

Und was ist daran jetzt Therapie?

Entscheidend ist nicht das Bild als Ergebnis, sondern der Weg auf dem es zu diesem Bild kommt. Es geht nicht darum, etwas Schönes oder Künstlerisches zu malen, sondern um den Malprozess als solchen. In diesem Malprozess finden ‚innere Bilder‘ ihren Weg aufs Papier, oftmals erzählen diese Bilder dem Malenden eigene Geschichten (auch dazu später mehr). Durch das Begleiten gibt es auch die Möglichkeit, ganz anders, als gewohnt vorzugehen, im Schutzraum des Ateliers. So kann z.B. ein eher zögerlicher Mensch ermutigt werden, beherzter draufloszumalen. Neue Verhaltensweisen lassen sich erproben und dann ins Alltagsleben übertragen. Das begleitete Malen dient auch der allgemeinen Persönlichkeitsentwicklung. Es hilft bei Entscheidungsfindung in schwierigen Situationen und um ganz allgemein klarer zu sehen.

Wie ich zur Therapeutenausbildung kam…

Vor einigen Jahren habe ich eine AG für Grundschüler geleitet, „Zeitreise durch die Kunstgeschichte“, in der ich mit den Kindern Bilder betrachtet und gemalt habe. Bei den Teilnehmern dieser AG waren auch zwei Jungen, deren Ergebnisse eigentlich immer ganz stark an 😉 Kuhfladen erinnert haben. Die beiden haben mit großer Leidenschaft die Temperafarben auf dem Blatt so ineinander verrührt, dass das Ergebnis jedesmal ein großer brauner Flecken in der Bildmitte geworden ist. Das aktuelle Thema war ihnen auch völlig gleichgültig, das Ergebnis war immer gleich.

Aber beim Farbenauftragen ist in den beiden ganz deutlich etwas vorgegangen – anscheinend für sie etwas sehr positives, denn sie waren jedesmal da und mit Begeisterung bei der Sache.
Eines Tages hatte ich Bilder zum Thema „Traumwesen“ dabei (Hieronymus Bosch, Dali u.ä.). Da war die Reaktion besonders stark, beide äußerten sich noch kurz, dass sie häufig Albträume hätten und malten dann sofort los wie die Wilden. Das Ergebnis waren besonders viele Kuhfladen *g* und 2 ganz gelöste, entspannte Jungs.
Es war spürbar, dass in ihnen etwas ganz Intensives vorgegangen sein muss beim Malen. Und ich muss ehrlich gestehen, ich hatte ein wenig Angst davor, dass etwas bei ihnen „ausbricht“, das ich nicht mehr ohne weiteres abfangen kann.

Dieses Erlebnis hat mich eigentlich zu der Therapeutenausbildung motiviert, ich wollte auf jeden Fall genug Rüstzeug erwerben, um mit starken, unter Umständen negativen Gefühlen der Malenden umgehen zu können.